Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die Region Fukushima wollte eigentlich ein Vorreiter bei grünen Energien werden. Ein Beispiel dafür ist Japans erster Offshore-Windpark. Nun gibt es einen deutlichen Schwenk zur Kohle.

Modernste Kohlekraftwerke der Welt

Denn bis zum Ende des Jahrzehnts sollen in Fukushima die zwei modernsten Kohlekraftwerke der Welt entstehen. Dahinter steckt ein Konsortium aus dem Handelshaus Mitsubishi Corp. bzw. ihren Töchtern, dem Kraftwerk-Bauer Mitsubishi Heavy Industries und den Stromkonzernen Tepco sowie Joban Joint Power.

Finanzielle Unterstützung kommt von den Geschäftsbanken der Finanzgruppen Mitsubishi UFJ, Mizuho und Sumitomo Mitsui sowie der Toho Bank aus Fukushima. Mit einem Volumen von 300 Milliarden Yen (2,5 Milliarden Euro) handelt es sich um die bisher größte Projektfinanzierung in Japan. Die notwendigen Vorbereitungen wurden seit dem Sommer 2015 getroffen.

Kapazität wie ein großer Atomreaktor

Beide Anlagen haben jeweils eine Kapazität von 540 Megawatt und ersetzen damit in der Summe ungefähr einen modernen Atomreaktor. Ein Kraftwerk entsteht in Nakoso bei Iwaki neben einem bestehenden Kohlekraftwerk von Joban Joint Power. Dort gibt es bereits einen Kraftwerkskomplex von aktuell fünf Kohlemeilern mit einer Gesamtkapazität von 1,875 Gigawatt.

Das zweite neue Kraftwerk wird neben einem riesigen Tepco-Kohlemeiler in Hirono gebaut. Dort laufen derzeit sechs Kraftwerke, davon vier mit Öl und zwei mit Kohle befeuert, mit einer Gesamtleistung von 4,4 Gigawatt. Die Nähe zu bestehenden Kohlekraftwerken senkt die Kosten für die notwendige Infrastruktur, etwa für die Anlieferung der Kohle und den Abtransport der Schlacke.

Wiederaufbau der Region Fukushima

Das Kraftwerk in Nakoso soll im September 2020 und der Meiler in Hirono im September 2021 ans Netz gehen. Die Verstromung erfolgt in einem kombinierten Dampf-Gas-Prozess mit vorgeschalteter Brennstoffvergasung (IGCC). Der Wirkungsgrad soll 48 Prozent erreichen. Zugleich liegt der Ausstoß an Treibhausgasen durch die Verstromungstechnik um 15 Prozent unter bisherigen Kohlenkraftwerken.

Der Bau der Kohlemeiler dient offiziell dem Wiederaufbau der Region Fukushima. Aber die Projektgröße ist auch ein Signal, dass die Energie-Zukunft der Region eher in der Kohle als in Wind und Sonne liegt. Zudem hat Tepco womöglich eingesehen, dass die vier verbliebenen Atommeiler im AKW Fukushima Daini nicht mehr zurück ans Stromnetz gehen und durch andere Kraftwerke ersetzt werden müssen.

Foto: Bereits bestehendes Kohlekraftwerk in Hirono (Tepco)