Tokio (JAPANMARKT/fr) – Nach fast sechs Jahren an der Spitze wird Tadashi Ishii als Chef von Japans größter Werbeagentur Dentsu im Januar vorzeitig zurücktreten. Aber richtige Einsicht in seine Fehler zeigte er nicht.

Netzwerker im Hintergrund

Mit dem Rücktritt übernahm der 65-jährige Manager die Verantwortung für den Tod einer jungen Mitarbeiterin vor einem Jahr infolge von Überarbeitung. Er galt als exzellenter Netzwerker, der das Licht der Öffentlichkeit scheute. Als erster Dentsu-Chef ohne Erfahrung im Zeitungsanzeigen-Geschäft hatte Ishii den Werbe- und PR-Riesen konsequent globalisiert.

Durch die Übernahme der britischen Aegis Group 2013 für 3,2 Milliarden Pfund und eine Reihe weiterer Zukäufe konnte er den ausländischen Anteil der Einnahmen auf 54 Prozent verdreifachen. Er verantwortete auch die Expansion in die digitale Werbung auf zuletzt ein Drittel der Umsätze, um das schrumpfende TV-Geschäft auszugleichen.

Dentsu Way: Arbeiten bis zum Tod

Trotz dieser enormen Veränderungen hielt Ishii am „Dentsu Way“ fest: Jeder Auftrag wurde angenommen, egal wie belastet die Mitarbeiter waren. „Das Ganze war exzessiv“, räumte Ishii jetzt ein. Zugleich erklärte er nicht ohne Stolz, Dentsu verlange eben 120 Prozent Einsatz von seinen Mitarbeitern.

Das klingt nach dem Tod der 24-jährigen Matsuri Takahashi zynisch. Die junge Angestellte war depressiv geworden, nachdem sie über längere Zeit mehr als 100 Überstunden pro Monat arbeiten musste und vor einem Jahr schließlich vom Dach ihres Dentsu-Wohnheims gesprungen ist. Ein Gericht bestätigte ihren Selbstmord als „Tod durch Überarbeitung“ (Karoshi).

65 Überstunden pro Monat üblich

Auch danach reagierte Ishii zögerlich. „Unser genehmigter Arbeitsstil kann von unseren Aktionären und den Behörden nicht akzeptiert werden“, teilte der Dentsu-Chef seinen Mitarbeitern im Oktober mit. Doch die Zahl der offiziell zulässigen Überstunden pro Monat wurde nur von 70 auf 65 verringert. Dafür werden die Lichter in den Büros um 22 Uhr zentral abgeschaltet.

Ishii begründete seinen Rücktritt damit, dass ihm die Eltern des Karoshi-Opfers Takahashi endlich eine persönliche Entschuldigung erlaubt hätten. Entscheidender dürfte die baldige Anklageerhebung gegen Ishii und weitere Dentsu-Manager sein. Sie sollen die neue Mitarbeiterin zu exzessiven Überstunden gezwungen haben.

Foto: Dentsu-Hochhaus in Shiodome (flickr/Naoya Fujii) CC BY-NC 2.0