Tokio (JAPANMARKT/fr) – Einst sorgte das Elektronikgeschäft bei Sony für tiefschwarze Zahlen. Jetzt bremst die Filmsparte überraschend die Erträge des japanischen Konzerns.

Online-Streaming gewinnt gegen DVD

Drei Tage vor der Vorlage der Bilanzzahlen für das Schlussquartal 2016 hat Sony seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung überrascht. Probleme mit Sony Pictures schlagen sich in einer Abschreibung von 112,1 Milliarden Yen (910 Millionen Euro) nieder, die in das abgelaufene Quartal verbucht wird.

Als Hauptgrund nannte der Konzern „niedrigere Erwartungen an das Geschäft mit Heimunterhaltung“. Unter Berufung auf Sony-Quellen interpretierten dies verschiedene Finanzdienste als einen Hinweis auf schwächere DVD- und Bluray-Verkäufe infolge der zunehmenden Popularität von Streaming-Diensten für Videos wie Netflix.

Abschreibung auf Columbia Pictures

Die genauen Auswirkungen auf die Bilanz will Sony am Donnerstag mitteilen. Die Prognose für das Geschäftsjahr 2016, das bis Ende März 2017 läuft, wird auch angepasst. Bisher erwartet der Konzern 60 Milliarden Yen an Netto- und 270 Milliarden Yen an Betriebsgewinn, etwas weniger als im Vorjahr.

Die Abschreibung im Filmgeschäft bezieht sich größtenteils auf den Kauf des Hollywood-Studios Columbia Pictures im Jahr 1989 für 3,4 Milliarden Dollar. Die Probleme in der Filmsparte hatten sich bereits im November angedeutet, als der operative Ausblick um knapp ein Viertel gesenkt wurde.

Schwache Einnahmen an Kinokassen

Hintergrund damals waren schwache Umsatzzahlen bei den Sony-Filmen. An den Kinokassen enttäuschten sowohl der Versuch, die „Ghostbuster“-Filmreihe neu zu beleben als auch ein Nachfolge-Film zum „Da Vinci Code“ von Dan Brown. Inzwischen verabschiedete sich der langjährige Studio-Boss Michael Lynton als Chef von Sony Entertainment.

Dennoch will der japanische Konzern an seinen Filmgeschäften festhalten. Sony-Chef Kazuo Hirai soll monatelang in Kalifornien nach einem Nachfolger für Lynton gesucht haben. Im November 2014 hatte ein Hackerangriff die Computer von Sony Entertainment zerstört. Zahlreiche Sony-Mails wurden veröffentlicht.

Foto: Vorschaubild auf Sony-Film „Blade Runner 2049“, im Kino ab Oktober 2017 (Sony Pictures)