Tokio (JAPANMARKT/fr) – In Japans Geschäftswelt gibt es interessante Traditionen. Dazu gehört das Verschenken von Orchideen an Unternehmen im eigenen Netzwerk, wenn es bei ihnen positive geschäftliche Veränderungen gibt.

Schöne und teure Orchideen

Die relativ junge Praxis stammt aus der „Blasenzeit“ der achtziger Jahre, als viele Unternehmen dank explodierender Preise von Aktien und Immobilien im Geld schwammen. Bei Börsengängen, Firmengründungen, Geschäftseröffnungen und Umzügen in neue Räume wurde Geschäftspartnern ein Topf mit Orchideen geschickt.

Orchideen gelten als teuer, sind zu jeder Jahreszeit in gleicher Größe und Form zu bekommen und halten lange. Daher wurden sie zum Symbol für die positive Beziehung zwischen Unternehmen. Die neue Tradition führt dazu, dass am Eingang zu den Büroräumen eines solchen Unternehmens regelrechte Orchideen-Wälder stehen können.

Tradition der Beziehungspflege

Nach Angaben der Japanese Flower Auction Association wurden 2015 in Japan etwa 1,9 Millionen Orchideen-Blumen im Topf verkauft. Das entspricht laut einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg ungefähr dem Stand von 1995. Eine Standard-Orchidee kostet rund 20.000 Yen (164 Euro).

Dieser gut einzuschätzende Preis erleichtert später die Auswahl eines gleich teuren Gegengeschenks. Gegen Aufpreis bietet etwa der einzige börsennotierter Orchideen-Versandservice für Unternehmen, Artgreen Co., das Auftragen von Mustern und Firmenlogos auf die Blütenblätter an (siehe Foto oben, mehr Fotos hier).

Die Tradition des Schenkens zwischen Unternehmen scheint aus westlicher Sicht ziemlich sinnlos. Aber Japan hat eine lange Tradition, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen durch Geschenke zu stärken. Diese Sitte wurde auf Unternehmen übertragen. Allerdings nur in guten Zeiten: Während der Finanzkrise wurden in Japan statt Orchideen nur Telegramme geschickt.

Foto: Artgreen Co. Japan