Tokio (JAPANMARKT/fr) – Praktika sind in Japan bislang kaum verbreitet und sehr kurz. Ein großer Arbeitgeber schwenkt nun überraschend auf die „westliche“ Praktikum-Tradition um.

Mehr als 100 Plätze in 2017

Fast Retailing, der Konzern hinter der Textilkette Uniqlo, führt ein eigenes Praktikum-Programm für sechzehn Länder und Regionen ein. Darunter sind Japan, China und die USA. Schon in diesem Jahr werden mehr als 100 Praktikumsplätze vergeben. Die Bewerber können ihr Interessengebiet im Konzern selbst angeben.

Das Programm wird zunächst in Japan gestartet. Die ersten Praktika beginnen dort im April. Sie sollen jeweils zwischen einem Monat und drei Monaten dauern. Nach unbestätigten Informationen der Finanzzeitung Nikkei erhalten die Praktikanten in Japan einen Stundenlohn von 1.000 Yen (8,30 Euro).

Schriftliche Bewerbungen mit Lebenslauf sind in Japan ab sofort möglich. Die Bewerber müssen Japaner sein oder Ausländer, die entweder in Japan studieren oder in den vergangenen drei Jahren ihr Studium in Japan beendet haben. Die Auswahl findet durch Interviews und andere Methoden statt.

Auswahlmethode für Einstellung

Das eigentliche Ziel des Programms ist es laut dem Nikkei-Bericht, unter den Praktikanten vielversprechende Kandidaten für eine berufliche Karriere bei Fast Retailing zu identifizieren. Ihre Vorgesetzten sollen diese Auswahl treffen. Bislang testet man Kandidaten für eine Erstanstellung durch Kurz-Praktika von ein bis zwei Tagen.

Der Strategiewechsel von Fast Retailing könnte die Einstellungspraxis sowie den Umgang mit Praktika in Japan grundlegend verändern. Praktika dauern, sofern es sie gibt, bisher nur wenige Tage und werden nicht als möglicher Weg zu einer Festanstellung gesehen. Der Hauptgrund für die Änderung dürfte die wachsende Schwierigkeit sein, genug qualifiziertes Personal zu finden.

Foto: Uniqlo-Kaufhaus in Tokio (flickr/Toshihiro Gamo CC BY-NC-ND 2.0)