Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der Markt für elektronische Zigaretten in Japan boomt. Aber die große Nachfrage wird nicht von Platzhirsch Japan Tobacco, sondern von seinen ausländischen Konkurrenten bedient.

Platzhirsch gerät ins Hintertreffen

Philipp Morris International, bekannt als das Unternehmen hinter der Zigaretten-Marke Marlboro, hat seit dem Japan-Start seiner Elektro-Zigarette iQOS im April 5,5 Prozent des gesamten japanischen Tabakmarktes erobert. Das geht vor allem zu Lasten von Japan Tobacco, mit über 60 Prozent Anteil der Marktführer.

Denn der landesweite Verkaufsstart der eigenen Elektro-Zigarette Ploom Tech verzögert sich bis in die erste Jahreshälfte 2018. Japan Tobacco ist mit den Marken Winston, Mevius und Camel die weltweite Nummer 3 der Tabak- und Zigarettenbranche und befindet sich noch zu einem Drittel in Staatsbesitz.

15 Prozent Marktanteil bis Ende 2017

Das bedeutet: Im weiteren Jahresverlauf dürfte Japan Tobacco weitere Marktanteile an seine ausländischen Konkurrenten verlieren. Nach Angaben von Japan-Tobacco-CEO Mitsuomi Koizumi wird sich nämlich der Anteil der „Dampfer“ in Japan, wie sich viele Elektro-Raucher nennen, bis zum Jahresende auf 15 Prozent verdreifachen.

Die Ironie an dieser Geschichte ist, dass eine japanische Vorschrift Japan Tobacco in diese missliche Lage gebracht hat. Bisherige Elektro-Zigaretten, die im vergangenen Jahrzehnt in China erfunden wurden, verdampfen eine nikotinhaltige Flüssigkeit statt Tabakblätter zu verglimmen oder zu verbrennen.

Doch eine solche Flüssigkeit wird in Japan als pharmazeutischer Wirkstoff eingestuft und darf daher nicht einfach für Zigaretten verkauft werden. Also sahen sich Japan Tobacco und ausländische Konkurrenten dazu gezwungen, den Dampf auf andere Weise mit Nikotin anzureichern.

Auf Nachfrage nicht genug vorbereitet

Bei iQOS und Ploom Tech handelt sich daher um stiftähnliche Geräte, in denen das Nikotin aus Tabak stammt – bei iQOS wird der Tabak auf bis zu 350 Grad erhitzt, bei Ploom Tech nimmt der Dampf das Aroma des Tabaks auf. Dies ist die nächste Generation der E-Zigarette. Japan Tobacco nennt sein Produkt daher „T-Vapor“, also „Tabak-Dampf“.

Doch nach dem Verkaufsstart von Ploom Tech im März in Fukuoka konnte Japan Tobacco die starke Nachfrage nicht bedienen. Mehrere Dutzend Milliarden Yen wurden inzwischen den Ausbau der Produktion gesteckt. Ploom Tech geht ab Juni nun zunächst nur in der Hauptstadt Tokio an den Start, der Rest des Landes folgt 2018.

Dagegen hatte Philipp Morris genug iQOS-Geräte produziert und rollte ungestört den japanischen Markt auf. Unterdessen ist mit British American Tobacco bzw. ihrem Gerät „Glo“ ein weiterer ausländischer Rivale in Japan aufgetaucht. Damit wird sich der Wettbewerb um die „Dampfer“ weiter verschärfen.

Foto: iQOS von Philipp Morris (flickr/Vaping 360 CC BY 2.0)