Tokio (JAPANMARKT/fr) – Toshiba steigt aus finanziellen Gründen aus dem Bau von Atomkraftwerken im Ausland aus. Damit bricht ein wichtiger Pfeiler der japanischen Atomindustrie weg.

Konzentration auf Dienstleistungen

Toshiba-Präsident Satoshi Tsunakawa hatte noch im Juni 2016 erklärt, bis 2030 wolle man 45 neue Reaktoren errichten. Dabei bestand schon damals kein Anlass für solchen Optimismus. Denn erst im April 2016 hatte Toshiba 2,3 Milliarden Dollar auf den Kaufpreis der US-Nukleartochter Westinghouse abgeschrieben.

Nun wollen die Japaner sich im Ausland auf das Design, die Ausrüstung und den Service von Atomreaktoren konzentrieren. Ihnen fehlt der finanzielle Puffer, um Verzögerungen bei Bau und Genehmigungen zu verkraften. Denn eine Kostenexplosion von bisher 11,2 Milliarden Dollar beim Bau von zwei Reaktoren in den USA hat Toshiba an den Rand des finanziellen Abgrunds gebracht.

Kostenexplosion durch Verzögerungen

Durch den Ausbau des AKW-Geschäfts wollte Toshiba ursprünglich die Volatilität der Speicherchip-Sparte ausgleichen. Das hat sich nun als Trugschluss erwiesen. Im Gegenteil: Die erneute Abschreibung von 713 Milliarden Yen (knapp 6 Milliarden Euro) auf das US-Atomgeschäft könnte nun zum Verkauf der lukrativen Halbleiterproduktion führen.

Der Atomausstieg von Toshiba ist für Japans Atomindustrie ein schwerer Rückschlag. Toshiba und Westinghouse sind Branchenführer mit insgesamt 111 errichteten Reaktoren. Derzeit sind noch je vier Westinghouse-Reaktoren vom modernen Typ AP1000 in den USA und China im Bau. Alle Anlagen liegen jedoch hinter dem Zeitplan, so dass noch mehr Kosten drohen.

Außer Toshiba/Westinghouse sind noch Hitachi/General Electric und Mitsubishi Heavy im Atomgeschäft. Doch trotz persönlicher Unterstützung durch Premier Shinzo Abe für Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich, Vietnam, der Türkei, Indien, Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei gab es in vier Jahren keinen einzigen Auftrag.

Foto: Die Reaktoren 1 und 3 im AKW Fukushima Nr. 2 (südlich vom zerstörten AKW Fukushima Nr. 1) sind zwei von 20 Reaktoren, die Toshiba in Japan gebaut hat (Quelle: IAEA)