Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die Japaner schlafen nachts im Schnitt immer weniger, vor allem weil sie zu viel arbeiten. Dabei senkt dies die Produktivität. Die Regierung hat sich zwei Gegenstrategien überlegt.

Keine Mindestruhezeit in Japan

Fast die Hälfte der japanischen Arbeitnehmer sagt, sie bekäme nicht genug Schlaf, weil sie zu viele Überstunden absolvieren müsse. Ein Grund für dieses Problem: Anders als in Europa gibt es in Japan keine Vorschrift für eine Mindestzeit zwischen dem Ende des einen und dem Beginn des anderen Arbeitstages.

In Europa sind dies mindestens elf Stunden. Aber in Japan haben bisher nur wenige Unternehmen eine Ausruhzeit festgelegt. Bei der Bank Sumitomo Mitsui Trust zum Beispiel beträgt sie neun Stunden, beim Windelhersteller Unicharm acht Stunden. Bei Panasonic endet die Arbeitszeit neuerdings um 20 Uhr abends.

Anreizprogramm für Ruhezeiten

Die volkswirtschaftlichen Kosten von übermüdeten Arbeiternehmern wurden von der Denkfabrik RAND für Japan auf bis zu 138 Milliarden Dollar geschätzt, fast drei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Eine Verlängerung der Schlafzeit von unter sechs auf sechs bis sieben Stunden steigere das BIP um 75,7 Milliarden Dollar.

Die Regierung steuert auf zwei Wegen gegen die Überstundenwut. Zum einen hat sie ein Programm im Umfang von 400 Millionen Yen (3,3 Millionen Euro) aufgelegt, welches kleinen und mittleren Unternehmen einen Anreiz zur Verlängerung ihrer Mindestruhezeiten geben soll. Dabei wird zum Beispiel Software zur Arbeitszeit-Erfassung finanziert.

Maximal 60 Überstunden pro Monat

Zum anderen will die Regierung einen generellen Deckel für Überstunden einführen. Arbeitgeber und Gewerkschaften sollen sich auf eine Obergrenze von 720 Stunden pro Jahr bzw. 60 Stunden pro Monat einigen. Der Hintergrund: Derzeit sind 40 Stunden Grundarbeitszeit pro Woche vorgeschrieben. Bis zu 45 Überstunden pro Monat dürfen innerhalb des Unternehmens vereinbart werden.

Jedoch sind Sonderregeln über diese Menge hinaus möglich, falls sich beide Seiten dazu bereit erklären. Bei der Werbeagentur Dentsu zum Beispiel sind 65 Überstunden pro Monat vereinbart worden. Aber in Zukunft sollen Unternehmen, die mehr als 60 Überstunden pro Monat verlangen, bestraft werden. Allerdings gibt es schon heute inoffizielle Überstunden, die nicht erfasst werden.

Foto: flickr/Toni Lucatorto CC BY-NC 2.0