Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japans konservative Regierung hat sich die Frauenförderung auf die Fahnen geschrieben. Die Anstrengung wurde viel belächelt, aber kommt trotz vieler Zweifel voran.

Management-Vorgabe für Frauen gesenkt

Bis 2020 sollten Frauen 30 Prozent aller Management-Positionen besetzen. Das erste Ziel der Fraueninitiative von Premierminister Shinzo Abe wurde 2013 ausgegeben und wenig ernstgenommen. Damals beantragte nur ein Unternehmen die angebotene Belohnung für die Beförderung von Frauen zu Managern.

Auch wegen der gesunkenen Zahl an Frauen im Parlament fiel Japan im Ranking für Geschlechtergleichheit des World Economic Forum von 2015 auf 2016 um elf Plätze auf den 111. Rang zurück. Laut der neuen Economist-Rangliste, dem „Glass-Ceiling-Index“, hat Japan die zweitschlechtesten Arbeitsbedingungen für Frauen in der OECD. Nur Südkorea schnitt noch schlechter ab.

Die Regierung senkte ihre Zielvorgabe unterdessen klammheimlich auf die Spanne von 7 bis 15 Prozent für den öffentlichen und privaten Sektor. Neues Zieljahr ist 2021.

Steuerfreibetrag für arbeitende Frauen erhöht

Doch das wäre immer noch ein großer Fortschritt gegenüber heute. Und dass die Regierung die Frauenförderung noch ernst nimmt, zeigt die geplante Steueränderung im neuen Haushaltsjahr (ab April). Der Steuerfreibetrag für arbeitende Ehefrauen wird dann um die Hälfte auf 1,5 Millionen Yen erhöht, damit mehr Frauen länger arbeiten.

Ganz ohne Unterstützung der Regierung ist die Erwerbsquote der Frauen in den vergangenen Jahren auf 66 Prozent gestiegen und liegt damit höher als in vielen europäischen Ländern, auch wenn die meisten dieser Frauen nicht Vollzeit arbeiten. Die Kampagne für kürzere Arbeitszeiten kommt ebenfalls den Frauen zugute.

Shiseido will eigene Tagesstätte betreiben

Eine große Hürde für Frauenarbeit ist die lange Warteliste bei Kindergärten und Kindertagesstätten. Viele Frauen bringen ihre Kinder deshalb in nicht lizensierten und qualitativ zweifelhaften Horten unter. Daher bietet die Regierung Unternehmen Subventionen an, wenn sie Kinderbetreuung selbst in die Hand nehmen.

Besonders aktiv in diesem Bereich ist der Kosmetikhersteller Shiseido, dessen Mitarbeiter zu 80 Prozent weiblich sind, berichtet das US-Webmagazin Quartz. Das Unternehmen gründete nun ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem größten Kindertagesstätten-Betreiber JP Holdings. Dabei sind schon 30 Prozent seiner Manager Frauen – weit über der neuen Abe-Zielvorgabe.

Foto: flickr/tokyoform CC BY-NC-ND 2.0