Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japans größter privater Paketdienst, Yamato, will erstmals seit 27 Jahren die Preise erhöhen. Damit setzt das Unternehmen, das für seine schwarze Katze im gelben Logo bekannt ist, ein starkes Signal für den Arbeitsmarkt.

Preisanhebung nach 27 Jahren

Das Ausmaß der ersten Preiserhöhung seit 1990 ist noch nicht bekannt, da die Verhandlungen mit Großkunden noch laufen, aber zu Ende September soll es soweit sein. Die Auswirkungen sind nicht zu unterschätzen: Yamato kontrolliert fast die Hälfte des Marktes für Päckchen und Pakete in Japan.

Das bedeutet: Online-Giganten wie Amazon und Rakuten, die auf die Auslieferung ihrer Waren und das Einsammeln von Rückläufern durch Logistikdienstleister wie Yamato angewiesen sind, müssen nun entweder ihre eigenen Preise für die Zustellung erhöhen oder sich mit niedrigeren Margen abfinden.

Mangel an Fahrern und Zustellern

Die wichtigste Ursache für den Preisschritt ist der Mangel an Zustellern und Fahrern für die Paketwagen. Neue Mitarbeiter sind wegen der schweren Arbeitsbedingungen immer schwerer zu finden. Die wenigen Japaner, die Arbeit suchen, finden für das gleiche Geld inzwischen viel weniger harte Jobs.

In den vergangenen fünf Jahren ist das Paketvolumen von Yamato nämlich um 30 Prozent gestiegen, vor allem durch die Zunahme von Online-Bestellungen. Daher haben Fahrer und Zusteller vielfach keine Zeit mehr für Mittagspausen und sammeln immer mehr unbezahlte Überstunden.

Mitarbeiter am längeren Hebel

Nun beugt sich Yamato dem Druck der Gewerkschaften. Die Zustellzeit zwischen 12 und 14 Uhr wird zugunsten der Mittagspause der Zusteller gestrichen. Das letzte Zustellfenster zwischen 20 und 21 Uhr erweitert Yamato auf 19 bis 21 Uhr, damit der Stress für das Personal sinkt. Aufgelaufene Überstunden werden bezahlt.

Diese dramatischen Zugeständnisse zeigen, dass die Lage am Arbeitsmarkt zugunsten der Beschäftigten gekippt ist. Viele Unternehmen stehen inzwischen vor der schwierigen Wahl, entweder die Arbeitsbedingungen zu verbessern und/oder höhere Löhne zu zahlen. Beides läuft auf Preiserhöhungen für die Kunden hinaus.

Foto: Yamato-Logo auf Zustellertasche (flickr/halfrain CC BY-SA 2.0)