Tokio (JAPANMARKT/fr) – China und Japan ringen hinter diplomatischen Kulissen um den nächsten Freihandelsvertrag für Asien. Der Machtkampf entscheidet über die Zukunft der Transpazifischen Partnerschaft TPP.

China rivalisiert mit Japan

Vertreter der TPP-Länder beraten seit Dienstag dieser Woche in Chile, wie es nach dem Ausstieg der USA aus dem Vertragswerk für die Pazifikländer weitergehen soll. Auch Repräsentanten von China, Kolumbien und Südkorea nehmen an den Beratungen in Vina del Mar teil.

China möchte die TPP-Länder zusammen mit den ASEAN-Staaten für einen neuen Freihandelsvertrag namens „Regional Comprehensive Economic Partnership“ (RCEP) gewinnen. Dabei geht es vor allem um eine Absenkung der Zollbarrieren zwischen den ASEAN- bzw. anderen asiatisch-pazifischen Ländern.

Rückkehr der USA zu TPP?

Doch Japan – zusammen mit Australien – wirbt für einen RCEP-Vertrag auf dem Niveau von TPP. Das bedeutet nicht nur niedrigere Zollschranken, sondern auch Abmachungen über Investitionen und Patente – in der Hoffnung, dass die USA dann an den Verhandlungstisch zurückkehren werden.

Die Unterschiede sind nicht unbedeutend: TPP überspannt den Pazifik und reicht von den USA und Chile über Australien nach Japan und Vietnam und sollte China isolieren. RCEP ist China-dominiert und soll die zehn ASEAN-Staaten sowie Japan, China, Südkorea, Neuseeland, Australien und Indien zusammenführen.

Buhlen um Vietnam und Indien

Aus der Sicht von China war der Ausstieg der USA aus dem TPP-Vertrag ein „wundervolles Geschenk“, wie ein General von Chinas Volksarmee in einer Rede erklärte, die sich im Internet viral verbreitete. China will RCEP bis Ende 2017 über die Bühne bringen. Doch Japan und Australien treten auf die Bremse.

Beide Seiten buhlen um die Gunst der ASEAN-Staaten, insbesondere Vietnam, sowie von Indien. Falls ein RCEP-Vertrag zustande kommt, würden Japan und Südkorea zum Beispiel Zugang zu Vietnam bekommen, den die USA über TPP auch erhalten hätten. Japan hofft darauf, dass solche Konstellationen Trump umdenken lassen.

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