Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japan ist in dieser Woche Partnerland der IT-Messe CeBIT. Mit dem starken Auftritt in Hannover will Japan auch sein Image als Technologieführer auffrischen.

„Innovationsschmiede der Welt“

„Haben Sie eine Frage?“ piepst der niedliche Roboter auf dem Tokioter Flughafen Haneda. „Wo ist die nächste Telefonzelle, bitte?“, will ein Reisender wissen. Der Roboter antwortet sofort: „Es gibt auf jedem Stockwerk eine Telefonzelle.“ Eine ganze Flotte solcher Maschinen-Helfer bevölkert neuerdings den Flughafen. Ihre Aufgaben: Informationen geben und Gepäck transportieren.

Beobachter sehen darin ein sichtbares Zeichen für Japans anhaltende Freude an technischen Neuerungen. „Japan ist die Innovationsschmiede der Welt“, sagt der langjährige Japan-Analyst Jesper Koll. „Japan hat also kontinuierlich in seine Zukunft investiert.“

Der Anteil der Wirtschaftsleistung für Forschung und Entwicklung  sei in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Japan gab 2016 für Forschung und Entwicklung 3,4 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, Deutschland 2,9 Prozent, die USA 2,8 Prozent und China zwei Prozent.

Winzig-Teile für Smartphones

Allerdings hat es einen Wandel gegeben. In der Verbraucherelektronik sind Produkte aus Japan nicht mehr dominierend. Inzwischen können auch andere Länder wie China und Korea elektronische Geräte qualitativ hochwertig und langlebig herstellen. Bei Smartphones kommt kein einziger der fünf weltgrößten Hersteller aus Japan.

Doch was kaum einer weiß: Ohne die winzig kleinen elektronischen Bauteile aus Japan gäbe es die heutigen leistungsfähigen Smartphones nicht, darunter Sensoren, Antennen, Kondensatoren, Drosselspulen und Filter. Immer kleiner und besser – das ist die Spezialität von wenig bekannten Produzenten wie Alps, Murata oder Rohm.

Erfolg mit Spielekonsolen

Diese Hochleistungsfähigkeit verschaffe Japan auch einen Vorsprung bei Spielekonsolen und Videospielen, meint der Games-Spezialist Serkan Toto. Als Beispiele nennt der Analyst und Gründer von „Kantan Games“ die Playstation 4 und das Virtual-Reality-Headset von Sony, die beim Absatz weit vor den Rivalen Microsoft (X-Box-Konsole) und Facebook (Oculus-Brille) liegen.

Manche japanische Revolution wird kaum beachtet: So hat Epson den piezo-elektrischen Druckkopf für Tintenstrahldrucker so stark verbessert, dass damit gerade die etablierten Laserdrucker aus den Büros vertrieben werden. Und die Firma Cyberdyne verkauft einen durch den Körper gesteuerten Roboteranzug, der dem Menschen beim Laufen und Tragen hilft.

Umdenken im Management

Dennoch hat das Image von Japan als Technologieführer gelitten. Das sei jedoch keine Frage von Innovation, sondern ein Management-Problem, meint Hiroshi Mikitani, Gründer von Japans größtem Internet-Kaufhaus Rakuten. Aber langsam denken Japans Manager um. Anders als früher verlagern sie ihre Forschung nun teilweise ins Ausland. Toyota zum Beispiel entwickelt die Technik für selbstfahrende Autos in den USA.

Und der Softbank-Gründer Masayoshi Son sammelt viele Milliarden Dollar im Ausland ein, um weltweit in das Internet der Dinge zu investieren. „Dank bald einer Billion Sensoren-Chips im Internet der Dinge wird es superintelligente Computer geben, die unser Leben effizienter, sicherer und länger machen“, meint Son. Das werde die menschliche Evolution wieder in Gang setzen.

Seine starke Vision ist ein Indiz dafür, dass Japan auch bei der nächsten Technologie-Revolution weiter kräftig mitmischen wird.

Foto: Shinzo Abe eröffnet die CeBIT in Hannover (CeBIT)