Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die japanische Hauptstadt will schöner werden und entfernt Strommasten und Elektrokabel aus ihren Straßen. Die Milliarden teure Aktion könnte zum Vorbild für ganz Japan werden.

Schaltkästen statt Strommasten

Hunderttausende von Strommasten sollen in den nächsten Jahren in Tokio abgebaut und die bisher überirdischen Elektroleitungen unter die Erde verlegt werden. Auf den Straßen wären dann nur noch Umschaltkästen zu sehen. Damit setzt Gouverneurin Yuriko Koike eines ihrer großen Versprechen bei der Wahl im vergangenen Sommer um.

Schätzungen zufolge gibt es etwa 35 Millionen Strommasten in den japanischen Städten, ungefähr genauso viele wie Kirschbäume. Der Unterschied: Die Masten und Kabel verschandeln das Stadtbild, während die Kirschbäume die Betrachter erfreuen. Auch in anderen Touristenzentren wie Kyoto und Kanazawa sollen die Masten daher fallen.

Sichtbare Rückständigkeit

Bei den Verantwortlichen in Tokio ist vor allem wegen der bevorstehenden Olympischen Spiele die Einsicht gewachsen, dass die bisherige Methode der elektrischen Versorgung von Gebäuden etwas rückständig wirken könnte. In London, Paris und Hongkong sind nämlich alle elektrischen Leitungen unter der Erde, in Tokio nur sieben Prozent.

Aber es geht Gouverneurin Koike nicht nur um Schönheit und Stolz: Sie argumentiert, dass bei einem schweren Erdbeben umgeknickte Masten und heruntergefallene Kabel die Straßen blockieren und die Rettungs- und Löscharbeiten behindern könnten. Damit rechtfertigt sie auch die hohen Kosten der Umrüstung.

Entfernung kostet Milliarden

Jeder Kilometer Untergrundkabel kostet 530 Millionen Yen und damit rund zehnmal so viel wie ein von Masten getragenes Kabel. Bei 1.442 Kilometer Straßenlänge in Tokio ergäben sich Gesamtkosten von 764 Milliarden Yen (6,6 Milliarden Euro). Zwei Drittel davon übernehmen der Staat und die Gemeinden der Hauptstadt Tokio.

Den Rest sollen die zuständigen Stromversorger bezahlen. Besonders für Tepco, finanziell angeschlagen durch die Fukushima-Katastrophe, bedeutet dies bei 6 Millionen eigenen Strommasten in Tokio eine zusätzliche Last. Immerhin 100 Kilometer Kabel pro Jahr will der Versorger künftig unterirdisch legen. Bis die Masten und Kabel ganz verschwunden sind, wird es also noch lange dauern.

Foto: flickr/Martin Abegglen CC BY-SA 2.0