Tokio (JAPANMARKT/fr) – In drei Monaten verlassen die beiden Abweichler der letzten Jahre das Führungsgremium der Bank of Japan. Die Regierung hat geldpolitische Tauben als Nachfolger ausgewählt.

Kritiker der Geldpolitik gehen

Takehiro Sato (55) und Takahide Kiuchi (53) gehen turnusgemäß nach fünf Jahren. Als die einzigen „Falken“ im geldpolitischen Rat haben sie seit Jahren immer wieder die Wirkung der enormen Wertpapierkäufe hinterfragt, nicht jeden Beschluss mitgetragen und auch gegen die Einführung von Strafzinsen gestimmt.

Als ihre Nachfolger hat die Regierung einen erklärten Befürworter einer Reflationierung sowie einen erfahrenen Banker nominiert. Damit hat Premierminister Shinzo Abe binnen viereinhalb Jahren die Führung der Notenbank komplett mit Unterstützern der Abenomics-Politik besetzt. Die geldpolitischen „Tauben“ wären dann erstmals unter sich.

Reflationist und Banker als Ersatz

Nachrücker Goshi Kataoka (44) arbeitet derzeit als Ökonom für die Denkfabrik der größten Finanzgruppe Mitsubishi UFJ (MUFG). Er verfasste mit anderen Reflationisten wie BoJ-Ratsmitglied Yutaka Harada Bücher und plädierte im Herbst in einem Forschungspapier für einen Neustart der Deflationsbekämpfung durch größere Fiskalausgaben und den Verzicht auf eine höhere Umsatzsteuer.

Die Ansichten des zweiten Neulings Hitoshi Suzuki (63) sind weniger bekannt. Er war Vize-Präsident der MUFG-Geschäftsbank Bank of Tokyo Mitsubishi UFJ und gehört derzeit ihrem Prüfungsausschuss an. Mit seiner Ernennung korrigiert die Regierung das vorübergehende Fehlen eines erfahrenen Bankers in der Führungsetage der Notenbank.

Keine Freunde vom Negativzins

Japanische Medien gehen davon aus, dass beide Nachrücker dem Negativzins als Mittel der Geldpolitik eher kritisch gegenüberstehen. Kataoka hat bereits öffentlich gemacht, dass er eine massive quantitative Lockerung gegenüber Strafzinsen bevorzugt.

Suzuki wiederum hat selbst erlebt, wie der Negativzins seit Februar 2016 die Gewinne der Banken beeinträchtigt. Daher macht der Wechsel auf den zwei Posten eine Ausweitung der Negativzinspolitik unwahrscheinlicher.

Foto: Zentrale der Bank of Japan in Tokio (flickr/Yamashita Yohei CC BY-NC 2.0