Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der einst gefeierte Börsengang der japanischen Post-Gruppe hat sich zum Lehrstück für Privatanleger und Manager gleichermaßen entwickelt.

Hohe Kursverluste seit Börsengang

Die Börsennotierung von Japan Post Holdings und ihrer Bank- und Finanztochter im November 2015 zielte mit Schnäppchenpreisen auf Privatanleger. Die Sonderangebote sollten die Japaner ermutigen, das gesparte Geld nicht mehr im Futon aufzubewahren, sondern in Aktien anzulegen.

Denn sollte die von Notenbank und Regierung angestrebte Rückkehr zur Inflation gelingen, dann wären die bisher von den Bürgern bevorzugten Anlagemethoden – nämlich Bargeld und Tagesgeldkonten – von Nachteil. Bei Inflation wären Aktien eine bessere Anlage. Dieses Argument kam an.

Negativzins trifft auch Postfinanzen

Rund 1,8 Millionen Japaner zeichneten damals die Papiere und freuten sich am Ausgabetag über hohe Kursgewinne. Aber schon wenige Monate später fielen die Notierungen von Japan Post Holdings, Japan Post Bank und Japan Post Insurance unter ihre Ausgabepreise. Dort sind sie fast die ganze Zeit bis heute geblieben, nur Japan Post Insurance liegt derzeit knapp darüber.

Der Grund für das schlechte Abschneiden war die Einführung eines Negativzinses im Februar 2016 durch dieselbe Notenbank, die die Aktienkultur fördern will. Die Postbank kann kaum Kredite vergeben und lebt daher von ihren Zinsüberschüssen. Die Postversicherung finanziert damit ihre Auszahlungen. Aber diese Quelle sprudelt weniger, wenn das Zinsniveau sinkt.

Milliarden-Abschreibung auf Zukauf

Der zweite Grund für die Kursschwäche ist ein Fehler des früheren Managements: Für 4,9 Milliarden Dollar wurde vor zwei Jahren der australische Logistiker Toll Holdings erworben. Der Kauf kurz vor dem Börsengang erfolgte auch in der Absicht, das potenzielle Wachstum der Post im Ausland hervorzuheben, obwohl man wenig Erfahrung mit solchen Geschäften hatte.

Das sollte sich rächen: Die australische Wirtschaft lief schlechter als erwartet – und damit auch die Geschäfte von Toll. Das zwingt die Post jetzt dazu, 400,3 Milliarden Yen auf die Übernahme abzuschreiben. Die Gewinnprognose von 320 Milliarden für das gerade beendete Geschäftsjahr wurde hinfällig. Unterm Strich steht nun ein Minus von 40 Milliarden Yen (333 Millionen Euro).

Mit dem Schnitt will der Präsident der Post-Dachgesellschaft, Masatsugu Nagato, den Startschuss für „aggressiveres Management“ geben. Er war an dem Zukauf nicht beteiligt. Nun stellt er die australische Tochter erstmals unter die direkte Aufsicht von japanischen Managern. Damit räumt er indirekt auch bisherige Fehler im Management ein.

Foto: flickr/Shellaine Godbold CC BY-NC 2.0