Tokio (JAPANMARKT/fr) – Bis 2065 soll die Zahl der Japaner um rund 30 Prozent auf 88 Millionen schrumpfen. Doch diese Vorhersage muss sich nicht erfüllen: Denn es gibt viele Stellschrauben für die japanische Geburtenrate. Eine davon lässt sich relativ leicht ändern.

Äußere Umstände entscheiden

Wer in Japans ländlichen Gebieten unterwegs ist, wird eine überraschende Entdeckung machen: Junge Familien haben – anders als in den Metropolen – häufig zwei oder drei Kinder. Dort wird relativ früh geheiratet, die Großeltern stehen als Betreuer in der Nähe bereit, Wohnraum ist bezahlbar und die Schul- und Ausbildungskosten sind niedrig.

Doch die äußeren Bedingungen für eine Familiengründung sind in Japan nicht immer so günstig. Außerdem wird die Geburtenrate durch strukturelle Umstände gedrückt. Umstand Nummer 1: Die Japanerinnen bekommen ihr erstes Kind fast immer erst nach der Heirat – nur zwei Prozent der Babys werden unehelich geboren (JAPANMARKT Online berichtete).

Doch da das durchschnittliche Heiratsalter der Frauen seit 1970 um 5,2 Jahre auf inzwischen 29,4 Jahre gestiegen ist, werden allein durch diese Verzögerung weniger Kinder geboren. Japanerinnen gebären ihr erstes Kind im Schnitt erst mit 30,3 Jahren, über ein Jahr später als in Deutschland.

Abwehr von späten Geburten

Problem Nummer 2: Das japanische Gesundheitssystem ist darauf angelegt, über 35-jährige Frauen nicht zum Kinderkriegen zu ermutigen, weil danach das gesundheitliche Risiko für Mutter und Kinder zunimmt. So steigen die Geburtskostenpauschalen in vielen Krankenhäusern mit dem Alter der Schwangeren an.

Bei der Partnerwahl achten viele Männer mit Kinderwunsch ebenfalls auf diese imaginäre Altersgrenze. Zwar sind Spätgebärende in Japan nicht mehr so selten wie früher, aber die Geburtenrate der über 35-jährigen Frauen ist in Ländern wie Israel oder Spanien deutlich höher. Nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums waren zuletzt 10,2 Prozent der japanischen Erstgebärenden über 35 Jahre alt.

Kleineres Zeitfenster in Japan

Die Folge dieser beiden Umstände: Das zeitliche Fenster für eine Geburt in Japan schrumpft im Schnitt auf knapp sechs Jahre zusammen, nämlich auf die Zeit zwischen der Heirat und der staatlich geförderten „Altersgrenze“ von 35 Jahren für die potenzielle Mutter.

In Deutschland mit einem hohen Anteil von 35 Prozent an unehelichen Kindern und 26 Prozent der Mütter in einem Alter über 35 Jahren ist das Zeitfenster für Geburten größer. (Allerdings „nutzt“ Deutschland diese Vorteile nicht: Die Geburtenrate liegt nur knapp über der japanischen.)

Was bedeutet dies für die staatliche Geburtenförderung? Die konservative Mentalität der Japaner, dass Kinder in einer Ehe zur Welt kommen müssen, lässt sich nicht so leicht beeinflussen. Aber das Gesundheitswesen könnte sich stärker auf Spätgebärende über 35 einstellen, etwa durch eine verbesserte medizinische Versorgung für die Schwangeren, und verstärkt über die inzwischen gesunkenen Gesundheitsrisiken von Gebärenden über 35 aufklären.

Foto: Figuren zum Mädchenfest in Japan (flickr/hirotomo t CC BY-SA 2.0)