Tokio (JAPANMARKT/fr) – Fünf Goldmedaillen haben japanische Craft-Bier-Brauer beim letzten World Beer Cup, einem internationalen Wettbewerb um die besten Biere, gewonnen. Das zeigt, wie lebendig die Szene für Craft Bier in Japan wieder geworden ist.

Craft Bier als Trendgetränk

Der Absatz der fünf größten Brauereien in Japan ist in den zehn Jahren bis 2016 um ein Viertel auf 2,7 Milliarden Liter gesunken. Gleichzeitig wird sich nach einem Bericht der Finanzzeitung Nikkei die Absatzmenge von Craft Bier von 2014 bis zu diesem Jahr auf 44 bis 48 Millionen Liter verdoppeln.

Der Anteil der inzwischen landesweit 250 Mikrobrauereien am Biermarkt beträgt zwar noch immer unter einem Prozent, aber Branchenkenner rechnen in den kommenden Jahren mit einer Steigerung auf drei bis vier Prozent. Ursache ist, dass Craft Bier immer mehr zu einem Genusstrend geworden ist.

Ein weiteres Indiz für den „Craft-Bier-Durst“ der Japaner sind die ausländischen Produzenten BrewDog (Schottland) und Mikkeler (Dänemark), die schon 2014 bzw. 2015 eigene Gaststätten für den Verkauf ihres Biers in Japan aufgemacht haben.

Hohe Steuer, teurer Transport

Der erste Boom ereignete sich Mitte der neunziger Jahre, als der Gesetzgeber erstmals die Produktion von kleinen Mengen Bier erlaubte. Allein 1997 eröffneten 117 Mikrobrauereien für „jibiru“ (lokales Bier). Aber sie brauten vor allem etablierte Sorten wie Pils und Weizen und riskierten keine Geschmacksexperimente.

Doch diesmal liegt der Fokus auf hopfenstarken Bieren wie IPA (India Pale Ale) und anderen modernen Sorten, bei denen in amerikanischem Stil mehr mit den Zutaten experimentiert wird. Handwerkliches Können ist damit viel wichtiger geworden. Damit folgt Japan dem weltweiten Trend von Deutschland bis nach Thailand.

Ein Problem für die Mikrobrauer ist die hohe Biersteuer von 220 Yen je Liter, ein zweites sind die teuren Frachtkosten. Beides treibt den Endpreis nach oben. Dadurch kostet Craft Bier in der Flasche oder vom Fass in den Trendlokalen schnell 1.200 bis 1.400 Yen. Craft Bier ist in Japan also ein ziemlich teurer Genuss.

Foto: Goldmedaille für Irish Style Dry Stout von AJI Brewery beim World Beer Cup 2016  (Webseite der Brauerei)