Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die Zahl der Ausländer in Japan ist 2016 um sieben Prozent gestiegen. Zugleich mehren sich die Stimmen von japanischen Experten, die sich für mehr Gastarbeiter und Einwanderer aussprechen.

Mehr Studenten und Arbeiter

Nach Angaben des japanischen Innenministeriums lebten Ende 2016 insgesamt 2,38 Millionen Ausländer in Japan. Das waren knapp 149.000 mehr als im Vorjahr. Damit wurde der Rückgang in der Zahl der japanischen Einwohner um 308.000 zur Hälfte wettgemacht.

Analysten erklären den Zuwachs bei den Ausländern mit einer gestiegenen Zahl von Gastarbeitern unter dem Trainee-Programm der Regierung sowie der steigenden Zahl von ausländischen Studenten (JAPANMARKT Online berichtete).

Stimmungswechsel in Sicht?

Noch kann von einer generellen politischen Trendwende nicht die Rede sein. Bisher gibt es kaum Anzeichen dafür, dass die japanische Regierung ihre bisherige Zurückhaltung beim Zuzug von ausländischen Arbeitskräften aufgeben will.

Aber für einen bevorstehenden Stimmungswandel spricht die wachsende Zahl von Expertenmeinungen in der Öffentlichkeit, die für eine vorsichtige Öffnung des Landes für mehr Ausländer plädieren. Damit könnte ein Politikwechsel vorbereitet werden.

Argumente für Zuwanderung

So sprach sich der frühere Leiter der National Policy Agency, Takaji Kunimatsu, im Magazin Bungeishunju dafür aus, die „nationale Stärke“ mit Hilfe von Ausländern zu erhalten: „Ob wir es mögen oder nicht, wir müssen Einwanderer akzeptieren“, schrieb Kunimatsu.

Kunimatsu nannte die Schweiz als ein Vorbild für eine japanische Einwanderungspolitik. Die Schweiz achte auf Integration durch Unterricht in der Landessprache, Berufsausbildung, kulturelle Erziehung und die Anerkennung der Immigranten, schrieb der Ex-Polizeichef.

Zuwanderungspolitik notwendig

Die Soziologie-Professorin Eriko Suzuki von der Universität Kokushikan argumentierte in der Zeitschrift „Sekai“, Japan brauche dringend eine Zuwanderungspolitik. Bisher beschränke sich die Politik darauf, ausländische Arbeiter für das Wirtschaftswachstums in Japan zu nutzen.

Es sei jedoch falsch, daraus zu schließen, dass man keine Zuwanderungspolitik brauche. Daher sollte Japan definieren, was ein „Einwanderer“ sei, meinte Suzuki. Andernfalls könnten die Ungleichheiten zwischen Japanern und Ausländern wachsen und unter anderem ausländische Kinder benachteiligt werden.

Foto: flickr/Bill Green CC BY-NC 2.0