Tokio (JAPANMARKT/fr) – An vielen internationalen Rentenmärkten werden Staatsanleihen derzeit verkauft. Japans Notenbank stemmt sich gegen den Trend und verfolgt damit ein klares Ziel.

Steuerung der Zinskurve

Die Renditen von Staatsanleihen in Deutschland, Europa und den USA sind zuletzt deutlich gestiegen. Viele Investoren bereiten sich damit nach Ansicht von Finanzmarkt-Beobachtern auf ein Ende der ultralockeren Geldpolitik in Europa vor.

Das bringt die Bank of Japan in Zugzwang. Denn seit dem Vorjahr wirkt ihre Geldpolitik weniger über den Leitzins als über eine Steuerung der Zinsstrukturkurve. Die Rendite der zehnjährigen Japanese Government Bond (JGB) soll durch gezielte Käufe bei 0,0 Prozent gehalten werden (JAPANMARKT Online berichtete).

Laut einem Bloomberg-Bericht hat die Notenbank daher am Freitag angeboten, zu einer Rendite von 0,11 Prozent unbegrenzt zehnjährige JGBs aufzukaufen. Dabei kam offenbar kein Handel zustande, aber das Angebot wirkte als Deckel.

Günstige Finanzierungskonditionen

Die Währungshüter sendeten damit das Signal, dass sie einem Anstieg der zehnjährigen Rendite über 0,11 Prozent nicht zusehen werden. Dabei verfolgen sie das Ziel, den Unternehmen mit anhaltend niedrigen Zinsen weiter günstige Finanzierungskonditionen zu bieten.

Höhere Zinsen bedeuten in einem schwächeren wirtschaftlichen Umfeld weniger Kreditaufnahmen und damit weniger wirtschaftliche Aktivitäten. Ein Anstieg der Renditen in Japan verringert zudem den Abstand zu den Renditen in den USA. Das wiederum führt zu einer Aufwertung des Yen.

Tatsächlich wertete der Yen am Freitag ab. Zum Euro sank die japanische Währung auf den niedrigsten Stand seit Februar 2016. Hier wirkt sich der Renditeanstieg bei Euro- und deutschen Bund-Anleihen insofern aus, als dass mehr Anlegergeld in den Euro fließt. Das stärkt die europäische Währung auch zum Yen.

Foto: Bank of Japan Gouverneur Haruhiko Kuroda (flickr/Brookings Institution CC NC-ND 2.0)