Tokio (JAPANMARKT) – Japans Banken holen sich vermehrt Vermögenswerte in ausländischer Währung in ihre Bücher und bauen einheimische Staatsanleihen ab. Darin zeigt sich die Gratwanderung zwischen Auslandsexpansion und Negativzins.

Abbau von Staatsanleihen

Laut den jüngsten Daten der Notenbank zu den Kapitalflüssen in Japan haben die Finanzinstitute einschließlich Agrar-Kooperativen ihre Bestände an Staatsanleihen zu Ende März um 17 Prozent zum Vorjahr abgeschmolzen.

Insgesamt hatten diese Institute noch 202 Billionen Yen (1,5 Billionen Euro) an Staatsanleihen in ihren Bilanzen stehen. Das entspricht etwa 18 Prozent der Staatsschulden. Vor fünf Jahren hielten sie noch 40 Prozent.

Mit ihren Kundeneinlagen kauften die Banken früher Staatsanleihen und erzielten mit Eigenhandel und Zinscoupons sichere Erträge. Aber die extreme Geldpolitik hat den Eigenhandel erstickt und zugleich die Kurse der Anleihen so erhöht, dass viele Institute nun ihre Gewinne realisieren.

Das geschieht jedoch nicht ganz freiwillig: Denn durch die Negativzins-Politik schrumpfen die Verdienstspannen bei Krediten für die Institute so sehr, dass sie damit kaum noch Geld verdienen. Nun halten sie ihre Gewinnhöhe durch Anleiheverkäufe.

Aufbau von Vermögenswerten in Dollar

Die drei großen Finanzgruppen reagieren auf die ultralockere Geldpolitik durch einen Ausbau ihres Auslandsgeschäfts, indem sie mehr Kredite in Dollar vergeben und Vermögenswerte in Fremdwährungen aufkaufen.

Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben sich solche Vermögenswerte von Japans Geldhäusern seit 2008 auf netto 1 Billion Dollar verdoppelt, während westliche Finanzinstitute ihre Bilanzen verkleinerten.

Nach Ansicht der BIZ könnten die japanischen Institute jedoch wegen ihrer Dollar-Anlagen im neuerlichen Fall von Stress im globalen Finanzsystem in Kapitalnöte geraten, da sie zu ihrer Finanzierung auf kurzfristige Dollarkredite angewiesen seien.

Unterm Strich bedeutet dies: Zuhause untergräbt die Geldpolitik die einstigen Gewinnbringer von Japans Geldhäusern. Aber durch ihr Ausweichen ins Ausland sind Japans große Finanzgruppen mit dem globalen Finanzsystem stärker verbunden.Eine neue globale Finanzkrise würde sie daher viel stärker treffen als die Krise nach dem Kollaps der Lehman-Bank.

Foto: Tokioter Börse (flickr/Dick Thomas Johnson CC BY 2.0)