Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japan trauert um seinen wohl bekanntesten Arzt: Der legendäre Shigeaki Hinohara gab der Nation gute Ratschläge für ein langes Leben und überzeugte dabei mit seiner eigenen Biografie: Er wurde 105 Jahre alt.

„Menschliches Trockendock“

Der 1911 geborene Hinohara arbeitete als Arzt am St. Luke’s International Hospital in Tokio und behandelte im Zweiten Weltkrieg die Opfer von Brandbomben. 1954 gehörte er zu den Urhebern der jährlichen Gesundheitsprüfungen in Japan ein, die unter dem Namen „Menschliches Trockendock“ (ningen dock) bekannt wurden.

Hinohara war ein häufiger Gast in japanischen Fernsehsendungen und gewann mit seiner positiven Lebensphilosophie viele Anhänger. In seinem Essayband „Wie man gut lebt“ warb er dafür, beim Schlafen und Essen keinen strikten Regeln zu folgen. Er selbst praktizierte bis vor Kurzem als Arzt und arbeitete bis zu 18 Stunden am Tag.

Als Fundamente der Gesundheit nannte der Arzt in einem Interview mit der Zeitschrift Aera Schlafen, Essen und Bewegung. Er selbst aß nur einmal täglich – und zwar abends – und nahm dabei nur 1.300 Kilokalorien zu sich. Dabei ernährte er sich vor allem von Gemüse. Nur alle zwei Tage verzehrte er 80 Gramm Fleisch. Eine hungrige Maus lebe länger als eine sich sattfressende Maus, so Hinohara.

„Kein menschlicher Körper ist völlig gesund“

Nach seiner Meinung gibt es keine gesunden Menschen, weil jeder die Gene von verschiedenen Krankheiten in sich trage. Wichtig für ein langes Leben sei eine positive Lebenseinstellung. Wer aufstehen und sich auf den Tag freuen könne, der könne auch mit Krankheiten wie Rheuma oder Diabetes gut leben, so Hinohara.

In dem Interview berichtete der Arzt von Patienten, die vom positiven Ergebnis ihrer Gesundheitsuntersuchung enttäuscht seien. Da sie sich krank fühlten, wollten sie unbedingt, dass eine Krankheit festgestellt werde. Das sei ungesundes Denken, weil der Mensch keine körperlich perfekte Maschine sei, betonte der Arzt.

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