Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der Stromkonzern Tepco hat offenbar erstmals geschmolzenen radioaktiven Brennstoff im AKW Fukushima lokalisiert. Ein speziell entwickelter Schwimmroboter konnte das mutmaßliche Corium fotografieren.

Erstarrte Corium-Klumpen

Die Aufnahmen zeigen metallähnliche, erstarrte Klumpen am Boden des Sicherheitsbehälters von Reaktor 3, die an Stäben kleben oder sich mit Trümmerteilen vermischt haben. Damit wäre es Tepco erstmals gelungen, das Corium in einem der drei durch eine Kernschmelze zerstörten Reaktoren zu lokalisieren.

Das Kunstwort Corium setzt sich aus englisch „core“ für (Reaktor-)Kern und der Endung „ium“ für chemische Elemente zusammen und bezeichnet die lavaartige Mischung aus Kernbrennstoff, Steuerstäben und Materialien und Werkstoffen des Reaktors wie Stahl und Beton, die bei einer Kernschmelze entsteht.

Bereits im Februar hatte Tepo versucht, mit einem schlangenähnlichen Roboter das Corium im unteren Bereich der Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 und 2 zu finden. Dabei gingen die Techniker von der Annahme aus, dass das Corium während der Kernschmelze aus dem eigentlichen Reaktorbehälter herausgelaufen und im Sicherheitsbehälter erstarrt ist.

Ohne Corium-Lokalisierung keine Stilllegung

Die Missionen im Februar waren an der extrem hohen Strahlung und den eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten für den Roboter gescheitert. Dagegen ist der Sicherheitsbehälter von Reaktor 3 mit Wasser geflutet. Das Wasser verringert die radioaktive Strahlung und erlaubte es dem Schwimmroboter an drei Tagen, sich dem Corium unmittelbar zu nähern.

Die Lokalisierung des Brennstoffs ist die wichtigste Voraussetzung für die Stilllegung und Demontage der zerstörten Meiler. Erst danach lassen sich die Technologien entwickeln, um es aus den Reaktoren herauszuholen. Der ganze Prozess wird nach Angaben von Tepco drei bis vier Jahrzehnte dauern.

Foto: Mutmaßliches Corium (International Research Institute for Nuclear Decommissioning via Tepco)