Ein deutsch-japanischer Expertenrat setzt sich mit den Fragen auseinander, wie Energieversorgung langfristig klima- und ressourcenschonend gestaltet und internationale Wettbewerbsfähigkeit sichergestellt werden kann.

Von Johanna Schilling

 

Die Beschlüsse der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 (21st Conference of the Parties, kurz COP 21) waren ein historisches Signal für die Umsetzung einer weltweiten Energiewende. Doch um das Ziel einer beschleunigten Dekarbonisierung zu erreichen, muss eine Kernfrage beantwortet werden: Wie gelingt der Ausstieg aus den fossilen Energieträgern und letztlich auch der Kernenergie, ohne dabei den wirtschaftlichen Erfolg und die soziale Gerechtigkeit zu gefährden? Um darauf eine Lösung zu finden wurde im Mai 2016 der „German-Japanese Energy Transition Council“ (GJETC) eingerichtet. Denn trotz erheblich unterschiedlicher Ausgangspositionen können die Energiewenden Deutschlands und Japans besser gelingen, wenn beide Länder von ihren gegenseitigen Stärken und Schwächen lernen.

In seinen halbjährlichen Sitzungen und einem umfassenden Studienprogramm erarbeitet der GJETC daher wissenschaftliche Analysen zu Systemen, Technologien und Politiken der Energiewende in Deutschland und Japan. Damit sollen neue, sichere und effizientere Wege zur Umsetzung der Energiewende in beiden Ländern entwickelt werden. Die Studien des GJETC greifen aktuelle energiepolitische und –wirtschaftliche Fragen auf und analysieren langfristige Energieszenarien sowie soziokulturelle Aspekte der Energiewende in beiden Ländern. Zu den bearbeiteten Themen gehören auch das Design eines zukünftigen Strommarkts und die seit COP21 noch stärker in den Fokus gerückte Energieeffizienz. Die Erkenntnisse werden in Empfehlungen gebündelt und den jeweiligen Regierungen zur Verfügung gestellt.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit ist auch ein regelmäßiger Austausch mit Akteuren aus Industrie und Zivilbevölkerung Bestandteil der Ratsarbeit. Bei den sogenannten „Stakeholder-Dialogen“ diskutieren die Ratsmitglieder mit Repräsentanten internationaler Unternehmen wie beispielsweise Daimler, Tepco, Enercon oder Toyota. „Das Ziel des Rates ist es, die Ansichten und das Wissen der Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammenzubringen. Für eine gelingende Energiewende ist das tatkräftige Handeln aller Akteure unerlässlich“, betont der GJETC-Vorsitzende auf japanischer Seite, Masakazu Toyoda.

„Das Ziel des Rates ist es, die Ansichten und das Wissen der Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammenzubringen. Für eine gelingende Energiewende ist das tatkräftige Handeln aller Akteure unerlässlich“, betont der GJETC-Vorsitzende auf japanischer Seite, Masakazu Toyoda.

Die dritte Ratssitzung ist für den 4. und 5. September 2017 in Japan geplant. Die Ratsmitglieder werden sich mit den vorläufigen Ergebnissen der Studien befassen und ein Stakeholder- Dialog mit der Industrie zum Thema Potenziale der Energieeffizienz wird sich anschließen. Mitte Februar 2018 soll dann die vierte Ratssitzung in Berlin stattfinden. Diese wird insbesondere der Formulierung und Verabschiedung gemeinsamer Empfehlungen auf Basis der Ergebnisse des Studienprogramms dienen. Der GJETC wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), der Stiftung Mercator, dem Auswärtigen Amt, dem Ministry of Economy, Trade and Industry (METI), dem Japanisch- Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) und der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan (AHK Japan) unterstützt. Beide Länder sind mit jeweils sechs Energieexperten und drei assoziierten Mitgliedern im Rat vertreten. Mit Prof. Peter Hennicke, ehemaliger Präsident des Wuppertal Instituts, und dem Co-Chair Masakazu Toyoda, Vorsitzender des renommierten Institute of Energy Economics Japan (IEEJ), führen zwei erfahrene und einflussreiche Persönlichkeiten den Rat. Als wissenschaftliches Sekretariat auf deutscher Seite fungiert das Wuppertal-Institut. ECOS Consult übernimmt die organisatorische Abwicklung und bringt als Berater langjährige Japankompetenz in das Projekt ein. Auf japanischer Seite übernimmt das IEEJ diese Aufgaben.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst im JAPANMARKT NR. 4 2017 – Juli/August

Bild: V.l.n.r.: Yota Ono (METI), Prof. Dr. Peter Hennicke (Wuppertal Institut), Prof. Masakazu Toyoda (IEEJ)
und Dr. Hans Carl von Werthern (Deutscher Botschafter in Japan) beim ersten Treffen des GJETC; Copyright: Lisa Eidt