Tokio (JAPANMARKT/fr) – Bei der Zahl der Selbsttötungen im Verhältnis zur Bevölkerung ist Japan entgegen dem Klischee als Spitzenreiter in Asien schon vor einiger Zeit von Südkorea abgelöst worden. Aber die Regierung will noch mehr tun, um Selbstmorde zu verhindern.

Richtlinie verabschiedet

Das japanische Kabinett hat jetzt eine Richtlinie mit der Vorgabe verabschiedet, die Zahl der Selbsttötungen bis 2025 auf 13 Fälle je 100.000 Einwohner zu senken. Das wäre ein Rückgang um 27 Prozent gegenüber 2016. Dann käme Japan bei der Selbstmordquote etwa auf das Niveau von Deutschland.

Die Zahl der Selbstmorde in Japan geht bereits seit sieben Jahren kontinuierlich zurück. Allein im Vorjahr schrumpfte sie um knapp zehn Prozent. Nach dem Höhepunkt von über 34.400 Fällen in 2003 brachten sich im Vorjahr noch knapp 21.900 Japaner um. Im Jahr 2025 soll es nur noch 16.000 Selbsttötungen geben.

Aktive Beseitigung von „Lebenshindernissen“

Internationale Spitzenreiter sind nach Daten des japanischen Gesundheitsministeriums Litauen, Südkorea und Surinam. Aber mit der Quote von 17,8 Fällen je 100.000 Einwohner gehört Japan weiter zu den weltweit zehn Ländern mit den höchsten Selbsttötungsquoten. In der Altersgruppe zwischen 15 und 34 ist Selbstmord in Japan mit Abstand die größte Todesursache.

Die Richtlinie verlangt nach der Beseitigung von „Lebenshindernissen“ und nennt in diesem Zusammenhang unter anderem exzessiv lange Arbeitszeiten, post-partale Depression und Vorurteile gegen sexuelle Minderheiten.

Die Regierung hat bereits ein Gesetz zur Beschränkung von Überstunden auf den Weg gebracht. Mütter werden nach der Geburt bei regelmäßigen Gesundheitsprüfungen stärker beobachtet. Für Opfer von Diskriminierungen gibt es eine 24-Stunden-Hotline und die Schulen sollen selbstmordgefährdete Kinder besser aufklären.

Foto: „Selbstmordwald“ in Aokigahara (flickr/Wayne Hsieh CC BY-NC 2.0)