Tokio (JAPANMARKT/fr) – Zu den Erfolgen der Abenomics-Politik gehört die steigende Zahl von berufstätigen Müttern in Japan. Doch diese positive Entwicklung hatte eine Kehrseite, die nun von der Regierung angegangen wird.

Wartelisten jetzt bis Frühjahr 2021

Eigentlich wollte die Administration von Premierminister Shinzo Abe die Zahl der Kinder auf den Wartelisten für Kindertagesstätten und Kindergärten bereits bis März 2018 auf null reduzieren. Doch im vergangenen Monat musste man das Erreichen dieses Ziels auf März 2021 verschieben.

Dabei wurde der Regierungschef das Opfer seines eigenen politischen Erfolgs. Denn die Zahl der Mütter, die nach der Geburt wieder arbeiten wollen, ist stärker gestiegen als von seiner Regierung erwartet, obwohl sich Abe immer wieder für eine schnelle Rückkehr von jungen Müttern in den Arbeitsmarkt einsetzte.

Zuletzt standen nach Angaben des Foreign Press Center Japan (FPCJ) 23.500 Kinder auf den Wartelisten. Laut der Zeitung Yomiuri bräuchten sogar mehr als 90.000 Kinder einen Platz. Nun will die Regierung zwischen 2018 und 2012 insgesamt 220.000 neue Betreuungsplätze schaffen. Bis 2023 sollen weitere 100.000 dazukommen.

Arbeitskräftemangel auch in der Kinderbetreuung

Auf dieses Vorhaben reagierte die japanische Presse jedoch unzufrieden, wie die FPCJ-Übersicht belegt. So machte die Zeitung Yomiuri darauf aufmerksam, dass einige neue Kindergärten nicht so viele Kinder wie möglich aufnehmen könnten, weil es an qualifizierten Betreuern fehle. Daran hätte auch die kürzliche Gehaltserhöhung für diese Arbeitskräfte nichts geändert.

Die Zeitung Mainichi betonte, die Nachfrage nach Plätzen für 1- bis 2-jährige Kinder sei besonders hoch. Hier sei jedoch 1 Betreuer für 6 Kinder vorgeschrieben, während in Kindergärten 1 Betreuer auf 20 Kinder komme. Wegen der Verknappung von Arbeitskräften werde sich das Problem noch verschärfen, warnte die Zeitung.

Foto: Japanische Kindergarten-Kinder (flickr/mstk east CC BY 2.0)