Tokio (JAPANMARKT/fr) – Das Geschäft der drei Finanzgruppen in Japan leidet unter der extremen Niedrig- und Negativzins-Politik der Notenbank. Daher verkaufen sie neuerdings Aktienanteile von Geschäftskunden. Dafür gibt es noch einen zweiten Grund.

Satte Kursgewinne

Zwei der drei Finanzgruppen haben in ihrem ersten Geschäftsquartal zwischen April und Juni den Gewinn gesteigert. Allerdings gelang dies vor allem, weil sie beim Verkauf von Aktienbeständen ihrer Geschäftskunden satte Kursgewinne einstreichen konnten.

Branchenführer Mitsubishi UFJ Financial Group (MUFG) steigerte den Reinertrag um 53 Prozent auf 289 Milliarden Yen (2,2 Milliarden Euro) und erzielte damit den höchsten Gewinn seit zwei Quartalen. Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) trieb den Gewinn um 31 Prozent auf 241,5 Milliarden Yen (1,9 Milliarden Euro).

Dagegen schrumpfte bei Mizuho Financial Group das Ergebnis um 11 Prozent auf 118,3 Milliarden Yen (910 Millionen Euro). Für den Einbruch machte Mizuho vor allem einen Ertragsrückgang von 75 Prozent auf 20 Milliarden Yen (154 Millionen Euro) im Handel mit Staatsanleihen verantwortlich.

Sondereffekt durch einmalige Aktienverkäufe

Damit haben MUFG und SMFG im Startquartal bereits 30 Prozent bzw. 38 Prozent ihres Jahresausblicks von 950 Milliarden Yen bzw. 630 Milliarden Yen eingefahren. Dennoch hoben die beiden Konzerne ihre Prognosen nicht an, weil der Gewinnschub vor allem auf den Aktienverkäufen basierte.

Wegen der verschärften Regeln der Corporate Governance fühlen sich die Finanzgruppen gezwungen, ihre Besitzanteile von großen Kreditnehmern abzuschmelzen. Bisher waren diese Bestände ein Symbol für die langfristige Geschäftsverbindung zwischen Hausbank und Unternehmen. Aber vor allem ausländische Aktionäre halten diese traditionelle japanische Praxis für eine ineffiziente Kapitalverwendung.

Aber wegen der gestiegenen Aktienkurse gelingt der Ausstieg zu guten Bedingungen. Bei MUFG sprang dieser Ertragsposten von 1,7 Milliarden Yen im Vorjahresquartal auf 24,2 Milliarden Yen. Bei Sumitomo Mitsui explodierte dieser Ertrag um das 20-Fache auf 29 Milliarden Yen und bei Mizuho um das Fünffache auf 62,3 Milliarden Yen.

Foto: Geldautomaten in Japan (Japanmarkt Online)