Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japans Premierminister Shinzo Abe hat nach genau einem Jahr sein Kabinett umgebildet. Damit reagiert der Regierungschef auf seine schwachen Popularitätswerte.

Parteiveteranen kehren zurück

Die Umbildung war mit Spannung erwartet worden. Unter den neu ernannten Ministern sind mehrere Parteiveteranen. Offenbar will Abe sich auf diese Weise die Unterstützung von weiten Teilen seiner Liberaldemokratischen Partei (LDP) sichern, selbst wenn einzelne Minister seinen politischen Kurs nicht immer unterstützt haben.

So wurde Itsunori Onodera auf seinen frühen Posten als Verteidigungsminister berufen. Taro Kono, ein früherer Kritiker von Abes Pro-Atomkraft-Plänen, wurde neuer Außenminister. Kono hatte 2009 für den Vorsitz der Liberaldemokratischen Partei kandidiert und wurde 2015 zum Minister für Verwaltungsreform berufen.

Kono folgt auf Fumio Kishida, Außenminister seit Dezember 2012. Als neuer Politikchef der LDP besitzt Kishida nun eine gute Ausgangsposition, sollte Abe weiter schwächeln und es zu einem Wechsel an der Spitze der LDP und damit im Amt des Regierungschefs kommt.

Japanische Presse erwartet populistische Politik

Doch auch Seiko Noda sollte nicht übersehen werden. Die 56-jährige Politikerin wurde neue Innenministerin und gilt bereits als aussichtsreiche Kandidatin, Japans erste Premierministerin zu werden.

Sie machte zwei Mal Schlagzeilen – als sie ihre Partei 2005 wegen der Postreform kurz verließ und als sie mit Hilfe eines gespendeten Eis und künstlicher Befruchtung schwanger wurde und einen gesunden Jungen bekam.

Natürlich will Abe Partei- und Regierungschef bleiben. Die Kabinettsumbildung ist sein Signal dafür. Nun sollen die passenden populären Politikinhalte folgen.

Japanischen Presseberichten zufolge will Abe die Gebühren für Kindergärten und Tagesstätten abschaffen und mehr gegen die überlangen Arbeitszeiten in Japan unternehmen.

Foto: Kantei