Tokio (JAPANMARKT/fr) – In diesem August werden in Hokkaido und Aomori wieder Seeigel „geerntet“. Darauf freuen sich viele Sushi-Liebhaber. Aber diese japanische Delikatesse findet nicht jeder lecker.

Süßlich-nussig mit Meeresduft

Unter der Bezeichnung „Uni“ kommt der Rogen von Purpurseeigeln roh als Sushi oder als Topping für eine Reisschale mit Meeresfrüchten („Kaisen-don“) zu den Liebhabern von japanischem Essen. Der Geschmack wird als süßlich und nussig mit Meeresduft beschrieben. Begehrt ist gelber und oranger, eher fester Rogen.

Die Eier von bestimmten Seeigeln gehören zu den drei traditionellen Köstlichkeiten von Japan, die bereits seit der Edo-Zeit geschätzt werden. (Die anderen beiden sind sonnengetrocknete, salzige Fischeier – „Karasumi“ – und gesalzene Seegurken-Innereien – „Konowata“).

Teure Köstlichkeit aus dem Norden Japans

Doch über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Nicht jeder Sushi-Fan ist auch ein Uni-Fan. Bei einer Umfrage der englischsprachigen Webseite Japan-Guide.com unter Ausländern waren Seeigel-Eier jedenfalls sowohl die zweitbeliebteste als auch die zweitunbeliebteste Sushi-Variante.

Vor allem ist Uni eine teure Angelegenheit – ähnlich wie Karasumi und Konowata. Hochwertiger Seeigel-Rogen aus Hokkaido kann bis zu 200 Euro je Kilogramm kosten. Daher werden auch preisgünstige Seeigel-Eier aus Norwegen, der US-Westküste, Chile und Russland nach Japan importiert.

Weniger Seeigel durch Klimawandel

Doch wie die Finanzzeitung Nikkei jetzt berichtete, kosten importierte Seeigel inzwischen genauso viel wie japanische Seeigel. Das bedeutet, dass Uni bei den preislich günstigen Sushi-Restaurants mit Fließband („Kaiten-Zushi“) oder in Supermärkten zur Mangelware wird.

Ein Grund für den gestiegenen Preis scheint der Klimawandel zu sein. Die Erwärmung der küstennahen Gewässer verringert die Menge der Seeigel und erzwingt eine frühere „Ernte“. Laut dem Nikkei-Bericht sank die importierte Uni-Menge in den zehn Jahren bis 2016 um die Hälfte und das einheimische Konsumvolumen um 14 Prozent.

Foto: Seeigel-Rogen (Uni) als Sushi (flickr/Jun Saita CC BY 2.0)