Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der japanische Wohlfahrtsstaat ist im Vergleich zu Deutschland klein und berücksichtigt soziale Veränderungen nur langsam. Bisher wurden zum Beispiel nur in einer Ehe geborene Kinder unterstützt. Das soll sich nun ändern.

Konservatives Weltbild

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo plant das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt eine Gesetzesrevision zugunsten von alleinerziehenden Eltern. In Zukunft sollen auch Alleinerziehende mit unehelichen Kindern staatliche Hilfen erhalten.

Bisher können nur Mütter oder Väter, deren Ehepartner gestorben ist oder die geschieden wurden, eine Gebührensenkung für ihr Kind in staatlichen Kindertagesstätten und Kindergärten erhalten und entsprechende Steuerabzüge vornehmen. Die Änderung wird zum 1. April 2018 wirksam.

Japans Wohlfahrtssystem spiegelt konservative Werteinstellungen vor allem bei den Geschlechtern wider, die tief ins 20. Jahrhundert zurückreichen. Zum Beispiel dürfen Frauen in Japan nach einer Scheidung erst wieder heiraten, wenn sie eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, dass sie nicht schwanger sind.

Anfrage von Betroffenen als Auslöser

Allerdings sind die Wohlfahrtsbeamten nicht unbedingt konservativer als die Bevölkerung. Denn die geplante Gesetzesänderung kommt nach Angaben des Ministeriums nur rund 2.700 Alleinerziehenden zugute. Die niedrige Zahl hängt damit zusammen, dass nur zwei Prozent der Kinder in Japan unehelich geboren werden (JAPANMARKT Online berichtete).

Die Gesetzesänderung geht auf eine acht Jahre alte Anfrage von drei alleinerziehenden Müttern mit unehelich geborenen Kindern beim Anwaltsverband zurück. 2013 bat die Japan Federation of Bar Associations dann die Regierung um eine Ausnahmeregelung, weil die Beschränkung der Hilfen auf Witwen und Geschiedene diskriminierend sei. Jetzt wird die Bitte erfüllt.

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