Tokio (JAPANMARKT/fr) – Das Bieterrennen um das Speicherchip-Geschäft von Toshiba ist vorerst zu Ende. Der japanische Mischkonzern hat sich für ein Konsortium aus japanischen und US-amerikanischen Unternehmen und Investoren entschieden. Allerdings sind die Details des Verkaufs immer noch nicht ganz festgezurrt.

Verkauf für 15 Milliarden Euro

Der Verwaltungsrat von Toshiba beschloss, einer von dem US-Finanzinvestor Bain Capital geführten Gruppe den Zuschlag für Toshiba Memory Systems zu erteilen. Als Kaufpreis für den weltweit zweitgrößten Hersteller von Nano-Flashspeicherchips wurden zwei Billionen Yen (15 Milliarden Euro) vereinbart.

Zu dem siegreichen Konsortium sollen außer Bain noch die Chiphersteller Hynix (Südkorea) und Kingston Technology (USA), der Festplattenproduzent Seagate Technology (USA), der japanische Optikspezialist Hoya sowie die Toshiba-Kunden Apple und Dell gehören.

Nach Angaben von Toshiba wird das Geschäft über ein eigenes Investment-Vehikel namens Pangea abgewickelt. Toshiba selbst wird 350,5 Milliarden Yen (2,6 Milliarden Euro) in die Sparte investieren. Später könnten sich auch die Development Bank of Japan und der Staatsfonds INCJ an Pangea beteiligen.

Schwieriger Weg aus der Zwickmühle

Der Mischkonzern befindet sich bei seiner Auswahl in einer Zwickmühle. Einerseits muss der Verkauf spätestens bis Ende März 2018 abgewickelt sein – ohne die Milliarden-Einnahme droht dem Konzern der Börsenausschluss, da sonst ein zweites Jahr mit negativem Eigenkapital abgeschlossen würde – und zugleich verlangten seine Kreditgeber eine Entscheidung bis Ende September.

Andererseits forderte die Regierung in Tokio, dass das Knowhow für die von Toshiba erfundene Flashspeicher-Technologie in Japan bleibt. Daher hatte die dritte Bietergruppe, die von der taiwanesischen Foxconn geführt wurde, keine Chance auf den Zuschlag. Außerdem will Toshiba auch in der Zukunft bei seiner wichtigsten Sparte mitreden können.

Die Japaner versuchen diese Widersprüche offenbar aufzulösen, indem sie das Bain-Konsortium dazu verpflichten, den Kauf der Chipsparte ungeachtet des möglichen Widerstands von Western Digital abzuschließen. Dadurch erhält Toshiba die Sicherheit, die notwendige Milliarden-Einnahme rechtzeitig verbuchen zu können.

Foto: Toshiba