Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die einzige Gegenstimme beim jüngsten Treffen des Lenkungsrats der Bank of Japan sorgt für Aufsehen. Denn erstmals ist der Abweichler ein Anhänger der expansiven Geldpolitik, auch „Taube“ genannt.

„Inflationsziel nicht zu erreichen“

Eigentlich fielen die Beschlüsse der Notenbank wie erwartet aus: Die lockere Geldpolitik wird in allen Details beibehalten. Das heißt: Es bleibt beim jährlichen Ankauf von Staatsanleihen für 80 Billionen Yen (597 Milliarden Euro) sowie von Aktien-Indexfonds für sechs Billionen Yen, einem Strafzins von minus 0,1 Prozent auf bestimmte Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank sowie der Fixierung der Rendite von zehnjährigen Staatsanleihen bei 0,0 Prozent.

Doch das neue Ratsmitglied Goshi Kataoka legte den Finger in die offene Wunde der japanischen Geldpolitik, als er bei seiner ersten Sitzungsteilnahme als einziger Notenbanker gegen den Beschluss stimmte. Dabei verwies er darauf, dass die derzeitige Kontrolle der Renditekurve nicht ausreiche, um bis 2019 die angestrebten zwei Prozent Inflation zu erreichen. Doch eine alternative Lösung bot Kataoka nicht an. Dies wurde von einigen Analysten als Beleg dafür gewertet, dass die Strategie der quantitativen Lockerung in Japan ihre Grenzen erreicht habe.

Erster Abweichler unter geldpolitischen „Tauben“

Kataoka gilt als geldpolitische „Taube“ oder „Reflationist“. Schon vor seinem Aufrücken in den Lenkungsrat hatte der bisherige Ökonom des Forschungsinstituts Mitsubishi UF Research & Consulting für höhere Staatsausgaben und einen Verzicht auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer plädiert, um die Inflation anzukurbeln. Zudem schlug er höhere Wertpapierkäufe vor.

Kataoka sowie der bisherige Bank-Manager Hitoshi Suzuki hatten im Juli zwei langjährige Abweichler der extrem lockeren Geldpolitik von Gouverneur Kuroda ersetzt. Die ausgeschiedenen geldpolitischen „Falken“ Takahide Kiuchi und Takehiro Sato lehnten die derzeitige Geldpolitik immer wieder mit den Argumenten ab, ihre Kosten seien zu hoch beziehungsweise die Strategie sei nicht nachhaltig. Jetzt wird die Geldpolitik von Gouverneur Haruhiko Kuroda erstmals von einer „Taube“ kritisiert.

Foto: Bank of Japan in Osaka (flickr/nakashi CC BY-SA 2.0)