Tokio (JAPANMARKT) – Als erste Stadt in Japan will Kyoto eine Abgabe für jede Übernachtung einführen. Das hat gute Gründe. Aber manche Gastwirte fürchten eine Abwanderung ihrer Kunden nach Osaka.

Gebühr auf jede Übernachtung

Ab Herbst 2018 sollen alle Touristen, die in Kyoto übernachten, eine Kurtaxe bezahlen müssen. Für jede Übernachtung von bis zu 20.000 Yen beläuft sich dieser Betrag auf 200 Yen, bei Übernachtungen zwischen 20.000 und 49.999 Yen werden 500 Yen fällig und für Übernachtungen ab 50.000 Yen sollen 1.000 Yen pro Nacht bezahlt werden.

Solche Übernachtungsgebühren gibt es in den Metropolen Tokio und Osaka schon länger. Doch dort werden die Gebühren von 100 bis 200 Yen (Tokio) beziehungsweise 100 bis 300 Yen (Osaka) nur bei Übernachtungen über 10.000 Yen erhoben.

Damit wäre Kyoto die erste Stadt, die auch für Übernachtungen unter 10.000 Yen eine Touristensteuer erhebt. Nun fürchten viele Betreiber von minshuku (Familienpensionen), dass ihre preisempfindlichen Kunden für eine Übernachtung nach Osaka ausweichen könnten. Bis dort dauert es mit dem Zug nur etwa eine halbe Stunde.

Bürger unzufrieden mit negativen Tourismusfolgen

Die Sorge ist nicht unberechtigt. Denn die Stadt Kyoto will mit der Kurtaxe offenbar auch die Zahl der Touristen begrenzen. 2016 kamen 55 Millionen Besucher nach Kyoto. Davon übernachteten mehr als 14 Millionen in der alten Kaisermetropole. Fast ein Fünftel davon waren ausländische Touristen, berichtete die Japan Times.

Der Ansturm der Besucher hat den Alltag vieler Stadtbewohner erschwert. Busse und Bahnen sind überfüllt und Plätze in beliebten Restaurants kaum noch zu bekommen. Es gibt viele Beschwerden über nächtlichen Lärm von Touristen, die in nicht lizensierten Privatunterkünften übernachten.

Ein Beispiel für die Unzufriedenheit ist die jährliche Beleuchtung der Kirschblüten im Altstadtviertel Gion. In diesem Jahr verzichtete der Organisationsverein erstmals seit 27 Jahren auf die Aktion, weil dadurch noch mehr Besucher angezogen würden, berichtete die Zeitung Asahi.

Foto: Beleuchtete Kirschblüten im Kyoto-Stadtviertel Gion gab es in diesem Jahr nicht (flickr/Hiro – Kokoro☆Photo CC BY-NC-ND 2.0)