Tokio (JAPANMARKT) – Mit enormen Wertpapierkäufen versucht die Bank of Japan seit April 2013, die Deflation zu überwinden. Doch einige Initiativen der Regierung Abe unterlaufen diese Anstrengungen.

Weniger bezahlte Überstunden

So bemüht sich die Abe-Regierung darum, die Zahl der Überstunden zu senken und dadurch die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Würden weniger Überstunden verlangt, könnten zum Beispiel mehr Mütter arbeiten gehen. Außerdem sollte die Zahl der Japaner, die an Tod durch Überarbeitung (karoshi) sterben, zurückgehen.

Doch für viele Festangestellte gehören die extra bezahlten Überstunden zu ihrem festen Einkommen. Weniger Überstunden laufen auf ein geringeres Gehalt hinaus. Nach einer Schätzung des Forschungsinstituts Daiwa würden die Unternehmen insgesamt bis zu 8,5 Billionen Yen (64 Milliarden Euro) jährlich sparen, falls die Zahl der Überstunden per Gesetz wie geplant auf durchschnittlich 60 im Monat begrenzt wird (JAPANMARKT Online berichtete). Diese Einsparungen würden die Deflation schüren, falls es nicht parallel zu einem Ausgleich über höhere Löhne kommt.

Kostenloser Kindergartenbesuch wirkt deflationär

Auch die Initiative der Regierung Abe, die Gebühren für Kindertagesstätten und Kindergärten abzuschaffen, würde sich negativ auf die Inflationsrate auswirken. Diese Kosten gehören nämlich zum Korb mit Waren und Dienstleistungen für die Berechnung der Inflationsrate. Wenn die Gebühren für einzelne Bevölkerungsgruppen sinken, würde sich auch die Inflationsrate verringern.

Eine weitere Herausforderung entsteht durch die geplante Erhöhung der Umsatzsteuerrate im Oktober 2019 um zwei auf zehn Prozent. Das würde die Inflationsrate eigentlich automatisch nach oben treiben, führte bei der letzten Anhebung im April 2014 jedoch zu einem deflationär wirkenden Konsumeinbruch. Dadurch ließen sich die notwendigen Preiserhöhungen oft nicht durchsetzen.

Foto: 100-Yen-Shop in Osaka (flickr/jpellgen CC BY-NC-ND 2.0)