Tokio (JAPANMARKT) – Japanische Forscher haben gentechnisch veränderte Hühner für die Produktion von Beta-Interferon eingesetzt. Dadurch könnte der Preis dieses bisher extrem teuren Arzneimittels zur Behandlung von Krebs und multipler Sklerose in Zukunft deutlich sinken.

Gen für Beta-Interferon

Forscher des National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) Kansai in der Präfektur Osaka, der National Agriculture and Food Research Organization in der Präfektur Ibaraki und des Medizintechnikunternehmens Cosmo Bio Co. in Tokio entwickelten gemeinsam eine Methode, Beta-Interferon mit Hilfe von Hühnereiern zu produzieren.

Laut einem Bericht der Zeitung Yomiuri bauten die Wissenschaftler Gene, die für die Produktion von Beta-Interferon zuständig sind, in die Vorläuferzellen von Hühnersperma ein. Mit den fertigen Spermazellen wurden Eier befruchtet, aus denen Hähne entstanden. Diese männlichen Tiere wurden anschließend mehrmals mit Hühnern gekreuzt.

Deutlich geringere Kosten von Beta-Interferon

Das Ergebnis sind drei Hühner, die in einem Forschungszentrum auf Hokkaido alle ein bis zwei Tage Eier legen, in deren Eiweiß der Wirkstoff Beta-Interferon enthalten ist. Ziel der Forscher sei es, zwischen mehreren Dutzend bis zu 100 Milligramm Beta-Interferon je Ei zu erhalten, berichtete die Zeitung.

Derzeit kosteten einige Mikrogramm dieses Glykoproteins in Japan zwischen 30.000 und 100.000 Yen (227 bis 757 Euro). Gelinge es den Forschern jedoch, höhere Mengen Beta-Interferon pro Ei zu erzielen, so könnten die Kosten für den begehrten medizinischen Wirkstoff um bis zu 90 Prozent sinken.

Bis zu einer Massenproduktion dürfte es jedoch noch einige Jahre dauern, da die Sicherheit des erzeugten Stoffes für den Menschen belegt werden muss. Zunächst wollen die Wissenschaftler das Beta-Interferon daher als Forschungsmaterial an medizinische Unternehmen verkaufen.

Foto: Symbolfoto Hühner (flickr/ManOnZeppelin CC BY NC 2.0)