Tokio (JAPANMARKT) – Am japanischen Arbeitsmarkt zeichnet sich eine wichtige Veränderung ab: Erstmals seit Jahrzehnten geht der Anteil der Teilzeitbeschäftigten zurück. Die Auswirkungen dieser Wende sind nicht zu unterschätzen.

Teilzeitquote gesunken

Nach dem jüngsten Bericht des Arbeitsministeriums ist die Quote der Teilzeitbeschäftigten in Betrieben mit mehr als fünf Mitarbeitern im August um 0,2 Punkte zum Vorjahr auf 30,5 Prozent gesunken. Saisonale Faktoren werden in dieser Befragung nicht berücksichtigt. Trotzdem sehen die Analysten von Japan Macro Advisors darin ein Indiz, dass diese Quote generell sinkt.

Dies wäre eine wichtige Veränderung auf Japans Arbeitsmarkt. Denn der Anteil der Teilzeitbeschäftigten hat sich seit Anfang der neunziger Jahre von 15 Prozent auf 30,9 Prozent im Februar 2017 mehr als verdoppelt. Der wichtigste Grund sind unflexible Arbeitsgesetze, die die Jobs von festangestellten Vollzeitbeschäftigten stark schützen.

Dagegen sind Teilzeitbeschäftigte weniger privilegiert: Sie verdienen bis zu zwei Drittel weniger als Vollzeitbeschäftigte, erhalten weniger Sozialleistungen und ihre Jobs sind gesetzlich weniger geschützt. Diese Unterschiede sind für Unternehmen häufig der Grund, freie Stellen mit Teilzeitkräften zu besetzen.

Umwandlung von Teil- in Vollzeitstellen

Wegen des stark gestiegenen Mangels an Arbeitskräften fällt es jedoch vielen Unternehmen inzwischen immer schwerer, Teilzeitkräfte zu finden. Daher versuchen sie nun, Arbeitskräfte mittels Festanstellungen in Vollzeit zu gewinnen. Diese Angebote gelten sowohl für eingearbeitete, bewährte Teilzeitkräfte wie auch für neue Mitarbeiter, die von vornherein in Vollzeit anfangen dürfen.

Eine solche Trendwende wäre äußerst positiv für Japans Gesellschaft und Wirtschaft. Denn steigt die Anzahl der mehr verdienenden Vollzeitkräfte, so wächst auch die Lohnsumme und mehr Geld könnte in den Konsum fließen. Außerdem ist es wahrscheinlich, dass ein höheres Einkommen und eine gesteigerte Jobsicherheit jungen Japanern eher ermöglicht, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen.

Foto: flickr/Dickycube CC BY-SA 2.0