Tokio (JAPANMARKT) – Zu den beliebten Alkoholgetränken in Japan zählt Chuhai, vergleichbar mit den deutschen Alkopop-Getränken. Das Marketing der japanischen Hersteller zielt seit einiger Zeit verstärkt auf japanische Frauen.

Shochu + „Highball“ = Chuhai

Chuhai ist ein Kunstwort aus der zweiten Silbe von Shochu (japanischer Wodka aus Reis, Gerste oder Süßkartoffeln) und der ersten Silbe von „Highball“ (Whisky mit Sodawasser). Es bezeichnet einen Longdrink aus einer Spirituose und einer kohlensäurehaltigen Limonade.

Im Supermarkt werden diese Cocktails vor allem in Dosen verkauft. In Kneipen bestellt man in Japan für diese Mischung einen „Sour“ mit Fruchtnoten wie Zitrone oder Grapefruit.

In Dosenform gibt es diese Cocktails seit Mitte der achtziger Jahre. Zunächst waren sie bei männlichen Pendlern beliebt, weil man sie bequem auf dem Nachhauseweg von der Arbeit im Zug trinken konnte. Außerdem sind diese Getränke bereits ab etwa 100 Yen (0,75 Euro) erhältlich und daher wesentlich günstiger als japanisches Bier, das wegen seines Malzgehaltes hoch besteuert wird.

Marketing mit „niedlichen“ Dosen

Doch im Zuge der Emanzipation sind Chuhai und Sour inzwischen zu den bevorzugten Getränken vieler Japanerinnen geworden. Der geringe Alkoholgehalt von fünf bis sieben Prozent und die süßliche Limonade scheinen den Geschmack vieler Japanerinnen zu treffen. Daher vermarkten die Hersteller die Dosencocktails seit einiger Zeit gezielt an Frauen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, sollten Hersteller ihre Werbekampagnen jedoch nicht allzu klischeehaft gestalten. So scheiterte der zweitgrößte Getränkekonzern Asahi vor vier Jahren mit der Cocktailmarke „Dear Pink“. Ihr rosafarbenes Design setzte auf die vermeintliche Attraktivität durch Niedlichkeit, da japanische Frauen gerne „kawaii“ (niedlich) sein wollen.

Verkaufserfolge mit gutem Geschmack

Aus dem Misserfolg hat Asahi gelernt: Im vergangenen Jahr nahm der Hersteller mit dem Chuhai-Cocktail „Mogitate“ einen neuen Anlauf. Dieser enthält echte Fruchtstückchen aus Zitrone, Grapefruit und Trauben und ist in einer schlichten, schwarz-silbernen Dose erhältlich. Auf diesem Weg wollte Asahi Frauen mit Geschmack anstelle von Design überzeugen.

Laut dem Reuters-Bericht ist diese Strategie aufgegangen. Die Mogitate-Dosencocktails gehören zu den Wachstumstreibern von Asahi. Marktführer Suntory reagierte bereits und führte seinerseits neue Geschmacksrichtungen seiner erfolgreichen „Strong Zero“-Chuhai-Marke wie Pflaume und Pfirsich ein, um mehr Frauen als Kunden zu gewinnen.

Foto: Chuhai „Mogitate“ von Asahi im Supermarktregal (flickr/Leng Cheng CC BY 2.0)