Tokio (JAPANMARKT) – Der Euro hat gegenüber dem Yen innerhalb eines Jahres um rund 15 Prozent aufgewertet. Das ist schlecht für europäische Exporteure nach Japan. Doch in den nächsten Wochen könnte sich der Wechselkurs des Yen wieder zugunsten der Europäer bewegen.

Schere in der Geldpolitik

Die Verteuerung des Euro gegenüber der japanischen Währung hängt vor allem damit zusammen, dass die Europäische Zentralbank ihre sehr lockere Geldpolitik mittelfristig zurückfahren könnte. Zugleich geht der Devisenmarkt davon aus, dass die japanische Notenbank ihre Geldschleusen weiter offenhält. Diese Schere hat den Euro gestärkt und den Yen geschwächt.

Ein weiterer Faktor ist die vorgezogene Neuwahl. Premierminister Shinzo Abe hat angekündigt, die zusätzlichen Einnahmen aus der geplanten Mehrwertsteuererhöhung im Oktober 2019 für neue Sozialleistungen auszugeben. Das droht Japans Staatsverschuldung zu erhöhen. Nach Ansicht der DekaBank erschwert dies wiederum der Bank of Japan den Ausstieg aus ihrer extrem expansiven Geldpolitik.

Längeres Verharren in enger Handelsspanne

Doch der Devisenmarkt scheint sich dieser Sache nicht allzu sicher zu sein. Denn das Währungspaar Euro/Yen verharrt seit Anfang September in einer engen Spanne zwischen 130 und 134 Yen je Euro. Offenbar wartet man den Ausgang der Wahl ab. Ein starkes Abschneiden der neuen Hoffnungspartei der Tokioter Gouverneurin Yuriko Koike zum Beispiel könnte den Reformdruck auf Premierminister Shinzo Abe erhöhen und konsequent den Yen stärken.

Auch der weitere Verlauf der Nordkorea-Krise könnte dem Yen zu einem Comeback gegenüber dem Euro verhelfen. Die japanische Währung dient bei politischen und finanziellen Krisen häufig als sicherer Hafen: Wegen seiner hohen Liquidität parken internationale Kapitalanleger ihr Geld bevorzugt in Yen und treiben dabei den Kurs nach oben. Eine Eskalation auf der koreanischen Halbinsel könnte daher die Rolle des Yen als Fluchtwährung wiederbeleben.

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