Tokio (JAPANMARKT) – Im Umfeld neuer Geschäftszahlen haben Japans größte Finanzgruppen Sparprogramme verkündet. Sie können nicht mehr einfach so weitermachen.

Weniger Neueinstellungen

Die Finanzgruppe Mizuho kündigte einen drastischen Stellenabbau an. Bis 2027 soll die Zahl der Mitarbeiter um 19.000 schrumpfen. Das entspricht einem Viertel der aktuell Beschäftigten. Dies will die Finanzgruppe vor allem durch verringerte Neueinstellungen erreichen. Die Zahl der Standorte soll bis 2025 um ein Fünftel auf 400 sinken.

Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG), in der Bilanzsumme die Nummer drei, hat nach eigenen Angaben bereits 400.000 Arbeitsstunden durch die Automatisierung von Arbeitsabläufen eingespart. Diese Summe soll binnen drei Jahren auf drei Millionen Stunden steigen. Das entspräche 1.500 Arbeitsplätzen. Bis März 2021 soll die Automatisierung 4.000 Jobs ersetzen, ohne dass es zu Entlassungen kommt.

Der Chef der größten Finanzgruppe Mitsubishi UFJ (MUFG), Nobuyuki Hirano, hatte bereits früher den Abbau von 10.000 Stellen über ein Jahrzehnt angekündigt. Jedoch gilt dies offenbar nur für Japan, während man das Investmentbanking in der Region Europa ausbauen will. Dafür wären bereits 180 neue Mitarbeiter engagiert worden und weitere sollen folgen, sagte ein hochrangiger Manager der Nachrichtenagentur Reuters.

Negativzins und Online-Rivalen erzwingen Handeln

Japans Finanzgruppen stehen an mehreren Fronten unter Druck: Erstens sind die Kreditmargen als Folge der Negativzinspolitik der Bank of Japan seit Anfang 2016 gesunken. Zweitens schrumpft die Zahl der Japaner, so dass sich das dichte Filialnetz immer weniger rechnet. Dies hatte kürzlich sogar die Notenbank angemerkt (JAPANMARKT berichtete).

Drittens bringt die Expansion ins Ausland, die das schwächelnde Inlandsgeschäft auffangen soll, weniger ein als gedacht. Dort drücken hohe Kosten, der scharfe Wettbewerb und ein schwacher Yen die Erträge. Viertens wächst die Konkurrenz durch Online-Finanzdienstleister, die mit viel niedrigeren Kosten operieren. So gehört Japan bei Kryptowährungen zu den Vorreitern. Das zwingt die Megabanken zu eigenen, teuren Anstrengungen.

Foto: Konzernzentrale von Mitsubishi UFJ (flickr/yo & CC BY 2.0)