Tokio (JAPANMARKT) – Verkehrte Welt in Japan: Die Gewerkschaften dürften bei ihren Lohnforderungen für 2018 bescheidener sein als die Regierung.

Bescheidene Gewerkschaften

Japans Premierminister Shinzo Abe wünscht sich eine Lohnsteigerung um drei Prozent im kommenden Jahr, um der Deflation endgültig den Garaus zu machen. Aber ausgerechnet die Gewerkschaften wollen ihm nicht folgen und nach Informationen der Finanzzeitung Nikkei bei den Tarifgesprächen im Frühjahr – shunto genannt – erneut lediglich zwei Prozent Lohnplus verlangen.

Zwar ist der Unterschied kleiner, als es auf den ersten Blick aussieht. Denn inklusive Boni will der Gewerkschaftsverband Rengo offenbar eine Lohnerhöhung um vier Prozent fordern. Aber darin ist auch die automatische Steigerung der Löhne über Altersstufen erhalten, von der nur 60 Prozent der japanischen Beschäftigten profitieren. Zudem lehnen einige Branchen-Gewerkschaften zu hohe Forderungen aus Sorge um Arbeitsplätze ab.

Rekordhohe Gewinne nur im Exportbereich

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter 38 Analysten und Ökonomen werden die japanischen Löhne und Gehälter im nächsten Frühjahr nur um zwei bis 2,5 Prozent steigen und damit die Vorgabe von Premier Abe unterschreiten. 17 Analysten erwarten ein Plus von zwei Prozent und 19 Analysten ein Plus von 2,5 Prozent.

Für eine kräftige Erhöhung spricht der voraussichtliche Anstieg der Unternehmenserträge im laufenden Geschäftsjahr auf ein Rekordhoch (JAPANMARKT berichtete). Dafür sind allerdings vor allem die Exportunternehmen verantwortlich. Auch der Arbeitskräftemangel spricht eigentlich für höhere Löhne.

Jedoch lässt sich in den auf Japan konzentrierten Wirtschaftszweigen eine Lohnsteigerung um zwei Prozent nur schwer durchsetzen, solange die Verbraucher steigende Preise für Waren und Dienste nicht akzeptieren. Das ist genau jener Teufelskreis, der es der japanischen Wirtschaft seit Jahren schwer macht, aus ihrer Deflationsspirale auszubrechen.

Foto: flickr/peaceful-jp-scenary (busy) CC BY-NC-ND 2.0