Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Wirtschaftswelt wird paradoxer: Ausgerechnet Toshiba, eine Ikone der Japan AG, setzt vor allem auf ausländische Hedgefonds, um das riesige Loch in der Kapitaldecke zu stopfen.

Damoklesschwert Delisting

Erst verkaufte der japanische Mischkonzern sein wertvolles Speicherchip-Geschäft an ein Konsortium, das vom US-Beteiligungsfonds Bain Capital angeführt wird. Jetzt will Toshiba über eine Aktienemission 600 Milliarden Yen (4,5 Milliarden Euro) von ausländischen Großinvestoren einsammeln, darunter zahlreiche Hedgefonds.

Die angestrebte Einnahme würde zusammen mit Steuergutschriften reichen, um zu Ende März 2018 ein positives Eigenkapital zu bilanzieren. Dadurch könnte Toshiba eine Aufhebung der Notierung an der Börse in Tokio – ein sogenanntes Delisting – wegen zwei Jahren negativen Eigenkapitals in Folge abwenden. Zu Ende September stand Toshiba hier mit 750 Milliarden Yen in den roten Zahlen.

Kapitalerhöhung statt Chipsparten-Verkauf

Eigentlich wollen die Japaner dieses Bilanzloch durch den Verkauf von 49,9 Prozent ihrer Speicherchip-Sparte für zwei Billionen Yen (15,2 Milliarden Euro) ausgleichen. Doch Analysten bezweifeln, ob der Deal bis zum Frühjahr 2018 rechtzeitig von Aufsichts- und Kartellbehörden weltweit genehmigt werden wird. Das Damoklesschwert des Delistings schwebt also weiter über Toshiba.

Daher verkauft die angeschlagene Gruppe nun mit Stichtag 5. Dezember 2,3 Milliarden neue Aktien mit einem Rabatt von zehn Prozent gegenüber dem Aktienkurs vom vergangenen Freitag an ausländische Investoren, darunter Hedgefonds wie Third Point und Farallon. Ein weiterer Käufer ist der in Singapur notierte Fonds Effissimo des japanischen Investors Yoshiaki Murakami.

Foto: Toshiba