Tokio (JAPANMARKT) – Nach einer fünfjährigen Kälteperiode zieht in den chinesisch-japanischen Beziehungen eine Warmfront heran. Der Wetterwechsel hängt mit der neuen Dynamik in Ostasien zusammen.

Händeschütteln mit Lächeln

Beim Treffen der asiatisch-pazifischen Staatengemeinschaft APEC im November schüttelten sich Japans Premierminister Shinzo Abe und Chinas Präsident Xi Jinping die Hände. Diesmal lächelte Xi dabei. Bei der ersten Begegnung mit Abe vor drei Jahren hatte Xi dagegen keine Miene verzogen (JAPANMARKT berichtete).

Die japanischen Medien interpretierten das Benehmen von Xi als Signal für freundschaftlichere Beziehungen der miteinander rivalisierenden Nachbarstaaten. Es folgte der Besuch der bisher größten japanischen Wirtschaftsdelegation in Peking, die von Premierminister Li Keqiang empfangen wurde. Japanischen Presseberichten zufolge könnte es im nächsten Jahr zu jeweils einem Gipfeltreffen von Abe und Xi in China und Japan kommen.

Unterschiedliche Motivationen

Die japanische Seite reagiert zum einen auf die Beschwerden von US-Präsident Donald Trump über das große Handelsdefizit der USA mit Japan. Eine Folge davon könnte ein geringeres Handelsvolumen sein. Dadurch wächst für Japan die Bedeutung des Handels mit seinem zweitwichtigsten Partner China. Zum anderen fürchtet Japan eine Annäherung zwischen China und den USA, bei der Japan außen vorgelassen werden könnte.

China wiederum ist dabei, seine Vormachtstellung in Asien auszubauen. Der mögliche Rückzug der USA aus der Region spielt Peking hier in die Hände. Doch die Großmachtambitionen von Xi lassen sich womöglich eher verwirklichen, wenn Japan weniger ein Rivale und mehr ein partnerschaftlicher Nachbar wäre. Das Desinteresse von Trump an einer Dominanz im Pazifik erlaubt es China nun, gegenüber Japan großzügiger zu sein.

Auf dem Weg zu einem ersten bilateralen Gipfeltreffen liegen jedoch noch Stolpersteine. Dazu gehören die Senkaku-Inseln im Ostchinesischen Meer, die von China beansprucht werden. Auch die geplante Verfassungsreform von Premierminister Abe könnte China sauer aufstoßen, da Japan dadurch zu einem vollwertigen militärischen Partner der USA werden würde.

Foto: Premier Abe und Präsident Xi beim APEC-Gipfel am 11. November (Kantei)