Tokio (JAPANMARKT) – Das internationale Gastronomieinstitut „Le Cordon Bleu“ hat ein Diplomprogramm für authentische japanische Küche in Japan gestartet, das auch Ausländern ohne Japanischkenntnisse offensteht.

Ausbildung in vier Stufen

In Japan wird zwischen washoku (Japanisches Essen) und yoshoku (Westliches Essen) unterschieden. Die Ausbildung besteht aus vier aufeinander aufbauenden Modulen, die die wichtigsten Kochmethoden, Zutaten und Ausrüstungen der washoku-Küche abdecken.

Der erste Diplomkurs mit neun Teilnehmern aus China, Taiwan, Korea, Brasilien, Kanada, Hong Kong, Japan, Norwegen und den Philippinen hat soeben begonnen. Die Ausbildung dauert sechs Monate und umfasst über 530 Unterrichtsstunden.

„‚Le Cordon Bleu‘ vermittelt vor allem Techniken und Fertigkeiten für die washoku-Küche, anstatt dass man lernt, Rezept für Rezept nachzukochen“, erläuterte André Cointreau, CEO von „Le Cordon Bleu“, die Lehrphilosophie bei einer Vorstellung des Diplomprogramms in Tokio. „Dadurch erwerben die Teilnehmer das Fundament für ihre eigenen Kreationen.“

Lehrküche bei „Le Cordon Bleu“ im Tokioter Stadtteil Daikanyama mit Overhead-Spiegel

Diplomausbildung erfüllt washoku-Richtlinien

Die Ausbildung erfüllt die offiziellen Richtlinien des Ministeriums für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei für die Kochkompetenzen von washoku-Anbietern im Ausland. Diese Richtlinien sollen sicherstellen, dass japanische Speisen auch von Nichtjapanern möglichst authentisch zubereitet werden. „Le Cordon Bleu“ ist das erste ausländische Institut, dessen Absolventen das Zertifikat erhalten.

Das Programm ist für Ausländer aus drei Gründen attraktiv: Erstens erlernen sie die japanische Küche in Japan und tauchen dadurch viel tiefer in diese spezielle Esskultur ein als bei einer Ausbildung in ihrem eigenen Land. Zweitens sind die Lehrer von „Le Cordon Bleu“ renommierte japanische Restaurantchefs und washoku-Spezialisten.

Drittens wird der japanische Unterricht auf Englisch übersetzt, sodass keine Sprachkenntnisse notwendig sind. Bei einer Zulassung zum Diplomkurs erhalten ausländische Teilnehmer ein spezielles „Visum für kulturelle Aktivitäten“. Bei der Beurteilung der Bewerbung achtet das Institut nach eigenen Angaben nur auf eine ausreichend starke Motivation.

Globales Interesse an japanischer Küche

„Le Cordon Bleu“ ist eine renommierte internationale Kochschule, die seit ihrer Gründung 1895 zunächst in Frankreich und später weltweit die Grundlagen der französischen Haute Cuisine vermittelt. Heute betreibt „Le Cordon Bleu“ 35 Institute in 20 Ländern mit jährlich über 20.000 Teilnehmern aus 130 Nationen, darunter je ein Institut in Tokio und Kobe.

Mit dem washoku-Diplom reagiert „Le Cordon Bleu“ auf das stark gestiegene globale Interesse an japanischer Küche. Immerhin wurden nur die französische und die japanische Küche von der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) als immaterielles Kulturerbe ausgewählt. Die Kosten für das Programm sind allerdings nicht niedrig: Ein Modul kostet 600.000 Yen (4.500 Euro) und aufwärts. Außerdem müssen die Teilnehmer eigene Küchenwerkzeuge und eine Uniform erwerben.

Fotos: © Martin Fritz