Tokio (JAPANMARKT) – Die Enthüllungen über gefälschte Produktdaten in Japan gehen weiter: Eine Tochter des weltgrößten Karbon-Herstellers Toray Industries machte falsche Angaben über Materialien für die Reifenherstellung.

Qualitätsruf beschädigt

Das Geständnis ist ein weiterer Tiefschlag für den guten Qualitätsruf japanischer Produkte, nachdem in den vergangenen Monaten auch Kobe Steel und Mitsubishi Materials die Fälschungen von Produktdaten zugegeben hatten. Zudem hatten nicht vorschriftsgemäße Inspektionen von Neuwagen bei Nissan und Subaru weltweit Zweifel an den hohen Qualitätsversprechen von japanischen Herstellern geweckt.

Die Tochtergesellschaft Toray Hybrid Cord habe über den Zeitraum zwischen April 2008 und Juli 2016 in 149 Fällen die Produktdaten von Spezialstoffen für Reifen manipuliert, räumte Toray Industries ein. Davon seien 13 Reifenhersteller betroffen gewesen. Toray-Chef Akihiro Nikkaku gestand japanischen Presseberichten zufolge, man wisse von den Fälschungen seit einem Jahr und habe sich mit den Kunden bereits in Verbindung gesetzt. Jedoch hätten sich keine Sicherheitsprobleme ergeben.

Arroganz hinsichtlich Qualität als Ursache

Zu großes Selbstvertrauen in Technologien und Arroganz hinsichtlich der eigenen Qualität seien die Ursachen für die Fälschungsskandale, sagte der Ökonom Atsushi Osanai von der Tokioter Elite-Universität Waseda der Nachrichtenagentur Kyodo.

In der Vergangenheit hätten viele japanische Unternehmen ihre Gewinne allein durch eine überlegene Technologie erzielt, aber dies reiche im Wettbewerb mit chinesischen und anderen ausländischen Produzenten nicht mehr aus, meinte Osanai. Die Manipulationen von Produktdaten seien die Folge von zu starken Kostenkürzungen während zwei Jahrzehnten Deflation, erklärte der japanische Wirtschaftsexperte.

Foto: Produktion von Reifenmaterialien ( © Toray Hybrid Cord)