Tokio (JAPANMARKT) – Karrierefrauen in Japan wollen einer Umfrage zufolge beruflich höher hinaus als von ihren männlichen Vorgesetzten vermutet. Dieser Unterschied ist nicht leicht zu erklären.

Weniger Aufstiegsambitionen

Laut dem neuen „Asia Gender Diversity Report“ der Personalagentur Hays sagten bei einer Umfrage unter 1.000 berufstätigen Frauen in fünf asiatischen Ländern 42 Prozent der befragten berufstätigen Japanerinnen: „Mein direkter Vorgesetzter kennt meine Karriereambitionen nicht.“ Der Prozentsatz von Japanerinnen mit dieser Meinung war mehr als viermal höher als bei den befragten berufstätigen Frauen in Hongkong.

Zugleich hält sich der Ehrgeiz der Japanerinnen jedoch in Grenzen. Nur 13 Prozent der japanischen Karrierefrauen wollen binnen drei Jahren zur Geschäftsführerin aufsteigen, 30 Prozent nach sieben Jahren und 25 Prozent nach zehn Jahren. Die befragten Frauen in den vier anderen asiatischen Ländern haben im Schnitt höhere Ziele. In Singapur zum Beispiel wollen laut dem Hays-Report 34 Prozent der Frauen schon nach drei Jahren Geschäftsführerin sein, 31 Prozent nach sieben Jahren und 29 Prozent nach zehn Jahren.

Geschlechtsspezifische Vorurteile?

Wie kann es sein, dass die männlichen Vorgesetzten von japanischen Karrierefrauen deren berufliche Ziele so schlecht kennen, obwohl sie im internationalen Vergleich anscheinend nicht besonders ehrgeizig sind? Eine mögliche Erklärung wäre, dass die Mitarbeiter zumindest in größeren Unternehmen schon bei der Einstellung in verschiedene Gruppen sortiert werden, die unterschiedlich schnell aufsteigen. Damit ist schon frühzeitig geklärt, wer wann was werden kann.

Eine zweite Erklärung könnte sein, dass geschlechtsspezifische Stereotype in Japan möglicherweise tiefer verwurzelt sind als etwa in China und Singapur. Im Berufsleben würde dies dazu führen, dass die männlichen Vorgesetzten ihre weiblichen Mitarbeiter weniger belasten und fordern. Dadurch erhielten die berufstätigen Frauen auch weniger Chancen, ihre Fähigkeiten zu beweisen und dabei ihre Karriere zu beschleunigen. Für diese These liefert die Umfrage der Personalagentur Hays jedoch keine eindeutigen Daten.

Der „2017 Asia Gender Diversity Report“ von Hays kann über einen Link auf dieser Webseite kostenlos per Mail angefordert werden.

Foto: flickr/jamesjustin CC BY-NC-ND 2.0