Tokio (JAPANMARKT) – Der japanische Mischkonzern Toshiba hat bei seiner Sanierung wichtige Fortschritte gemacht – dank ausländischer Investoren.

Ende des Kapitalmangels

Seit einem Bilanzskandal und der Insolvenz seiner US-Nukleartochter Westinghouse leidet Toshiba unter großem Kapitalmangel. Diese Durststrecke ist vorbei: In dieser Woche gaben die Japaner für 600 Milliarden Yen (4,5 Milliarden Euro) knapp 2,3 Milliarden neue Aktien an rund 60 ausländische Investoren aus.

Das frische Geld hilft Toshiba gleich zweimal aus dem Bedrängnis: Zum einen dürften die Einnahmen reichen, um zu Ende März ein positives Eigenkapital aufweisen zu können (JAPANMARKT berichtete). Dadurch kann der Mischkonzern den drohenden Ausschluss aus der Tokyoter Börse abwenden, der bei zwei Jahresabschlüssen mit negativem Eigenkapital hintereinander vorgeschrieben ist.

Zum anderen nutzt Toshiba die Einnahme, um die finanziellen Folgen des Insolvenzdesaster in den USA vorzeitig zu überwinden. Denn der Konzern will nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg bis zum 15. Dezember seine Verpflichtungen gegenüber einem von zwei Westinghouse-Gläubigern in den USA, dem Stromkonzern Southern, frühzeitig ablösen. Southern wird 1,5 Milliarden Dollar erhalten, die Toshiba bisher bis 2020 abstottern wollte.

Streit mit Western Digital vor Lösung?

Außerdem nähert sich Toshiba einer Lösung der Auseinandersetzung mit seinem langjährigen Chippartner Western Digital (WD). Die US-Amerikaner kämpfen vor Gericht für ein Vorkaufsrecht der Speicherchipsparte – bisher vergeblich. Denn die Japaner haben den Geschäftsbereich an ein von dem US-Beteiligungsfonds Bain Capital geführtes Konsortium veräußert.

Nun könnte WD japanischen Presseberichten zufolge auf das Veto verzichten, falls man künftig weiter Chips von Toshiba erhalte und nach dem Verkauf in das abgespaltene Unternehmen einsteigen dürfe. Das würde den Weg für den Verkauf an das Bain-Konsortium freimachen.

Zugleich fürchtet Toshiba in dieser Angelegenheit jedoch ihre neuen ausländischen Teilhaber: Denn der japanische Konzern wäre mit Chipsparte mehr wert als ohne sie. Daher könnten die neuen Aktionäre womöglich in Versuchung geraten, den Verkauf in letzter Minute stoppen.

Foto: Logo von Toshiba (Toshiba)