Tokio (JAPANMARKT) – Ein japanisches Gericht hat den Neustart eines Reaktors gestoppt. Dies ist nicht der einzige aktuelle Rückschlag für die Atomkraft in Japan.

Gefährliche Nähe zu Vulkan

Das Obergericht von Hiroshima hat japanischen Presseberichten zufolge entschieden, dass Block 3 des Atomkraftwerkes (AKW) Ikata in der Präfektur Ehime von dem Stromnetz getrennt bleibt. Das Gericht verwies auf die Nähe zu dem aktiven Vulkan Aso. Ein größerer Ausbruch könne die Atomanlage treffen. Daher sei der Beschluss des Atomkraftregulierungsausschusses (NRA), dem Reaktor eine Betriebsgenehmigung zu erteilen, nicht rational.

Das Urteil ist ein unerwarteter Sieg für den Beschwerdeführer Hiroyuki Kawai, der seit Jahren gegen eine Renaissance der Atomkraft in Japan kämpft. Nach Angaben der Zeitung „Asahi“ ist es das erste Mal in Japan, dass ein Obergericht sich gegen den Betrieb einer Atomanlage ausgesprochen hat. Der Reaktor ist bereits seit Oktober für eine Wartung abgeschaltet und sollte im Januar wieder ans Netz gehen. Der Betreiber Shikoku Electric will in Berufung gehen.

Ungesicherte Finanzierung

Unterdessen droht erstmals ein japanischer AKW-Betreiber in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten: Japan Atomic Power hat bei der NRA die Verlängerung der Betriebsgenehmigung für den Reaktorblock 2 im AKW Tokai um 20 Jahre beantragt. Ohne den Neustart kann der AKW-Betreiber nach Einschätzung der Zeitung „Asahi“ die bereits beschlossene Stilllegung von zwei seiner vier Reaktoren voraussichtlich nicht mehr finanzieren, weil ein Teil der bisherigen Rücklagen dafür bereits ausgegeben wurde.

Nach Informationen der Finanzzeitung „Nikkei“ besitzt Japan Atomic Power sogar nicht einmal mehr genügend Mittel für die vorgeschriebene sicherheitstechnische Nachrüstung des Tokai-Reaktors, dessen Betriebserlaubnis im nächsten Jahr ausläuft. Diese Kosten sollen sich auf 180 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) belaufen.

Nach Ansicht von Analysten würde die japanische Regierung einen Zusammenbruch von Japan Atomic Power verhindern, um die geplante Rückkehr der Nuklearenergie nicht zu gefährden. Daher wird spekuliert, dass Japans größter Stromkonzern Tepco mit Japan Atomic Power verschmolzen werden könnte. Japan Atomic Power ist bereits zu mehr als 80 Prozent im Besitz von sechs regionalen Stromversorgern. Auch eine Zusammenlegung aller AKW-Geschäfte zu einem nationalen Betreiber wäre denkbar.

Foto: Atomanlage Ikata (Wikipedia CC BY-SA 2.5)