Tokio (JAPANMARKT) – Die japanische Presse hat den Rücktritt des Sumochampions Harumafuji als angemessen bewertet. Jedoch verlangten die Kommentatoren mehr Konsequenzen.

Vorbildfunktion verfehlt

Der Mongole Harumafuji, einer von aktuell vier amtierenden yokozuna, dem höchsten Rang im Sumo, erklärte Ende November seinen Rückzug aus dem aktiven Sport, nachdem er den rangmäßig unter ihm stehenden Sumoringer Takanoiwa in einer Kneipe brutal geschlagen hatte. Die japanischen Medien hatten dieses Verhalten seit Bekanntwerden des Vorfalls kritisiert und Harumafujis Rücktritt gefordert.

Ein yokozuna sollte ein Vorbild für alle Ringer sein, sodass sein Rücktritt zu erwarten gewesen sei, schrieb die liberale Zeitung „Mainichi“ laut einer Übersetzung des Foreign Press Center Japan. Der Rückzug sei die einzige Möglichkeit gewesen, die Verantwortung für die Gewalttat zu übernehmen, kommentierte auch die konservative Zeitung „Yomiuri“.

Rechtfertigung von Gewalt

Die rechtskonservative Zeitung „Sankei“ kritisierte Harumafuji dafür, dass er bei seiner Rücktrittserklärung den Gewaltakt damit gerechtfertigt habe, ältere Ringer müssen den jüngeren Sportlern Manieren beibringen. Dies sei jedoch eine schwache Entschuldigung für den Einsatz von Gewalt, so „Sankei“.

Das Ziel der Erziehung rechtfertige nicht das Mittel der Gewalt, schrieb auch die Zeitung „Asahi“. Nach den bisher bekannten Fakten wurde die Harumafujis Attacke offenbar dadurch ausgelöst, dass Takanoiwa lieber auf sein Smartphone schaute, statt dem Vortrag von ranghöheren Ringern zuzuhören.

Governance-Reform gefordert

In diesem Zusammenhang stellten die Kommentatoren auch die Sumovereinigung an den Pranger. Der Verband hätte aus vergangenen Gewaltakten zwischen Ringern nichts gelernt und sei miserabel geführt, lautete der Tenor. „Sankei“ monierte das Verhalten von Stallmeister Takanohana, der den Vorfall erst spät meldete und keine Fragen dazu beantwortete, obwohl er selbst der Führung des Verbandes angehöre.

Als Lehre aus diesem Skandal forderten mehrere Kommentatoren eine Governance-Reform des Sumoverbandes. Ähnlich wie in der Unternehmenswelt sollte es mehr unabhängige Direktoren im obersten Verbandsgremium geben, meinte die „Asahi“. Derzeit säßen dort zehn ehemalige Ringer und nur drei Unabhängige. Dabei sei schon nach dem vorigen Gewaltskandal um den yokozuna Asashoryu gefordert worden, die Hälfte der Direktoren müsse von außerhalb des Sumosports kommen.

Foto: Harumafuji in Aktion (flickr/Ogiyoshisan CC BY-SA 2.0)