Tokio (JAPANMARKT) – Der Baukonzern Obayashi hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Kyodo kartellrechtliche Verstöße bei Ausschreibungen für die Magnetschwebebahn in Japan gestanden. Das könnte den Baufortgang der Bahnstrecke bremsen.

Konzernbüros durchsucht

Mitarbeiter der Tokyoter Staatsanwaltschaft und der Wettbewerbsaufsichtsbehörde Japan Fair Trade Commission hatten laut japanischen Medienberichten am Montag Büros der großen Bauunternehmen Kajima und Shimizu durchsucht. Am Dienstag stürmten sie einige Büros der beiden anderen Bauriesen Obayashi und Taisei.

Die vier Konzerne sollen sich bei einigen Ausschreibungen für den Bau der ersten Magnetbahnstrecke in Japan abgesprochen haben, um die Arbeit gleichmäßig unter sich aufzuteilen. Der „Chuo Linear Shinkansen“, wie die Magnetbahn offiziell heißt, soll ab 2027 zwischen Tokyo und Nagoya mit Geschwindigkeiten von bis zu 600 Kilometern pro Stunde verkehren.

Der Bau dieser Strecke kostet Schätzungen zufolge 5,5 Billionen Yen (knapp 42 Milliarden Euro) und wird allein durch die Eisenbahngesellschaft JR Central finanziert. Daher hängt es nun vom Bauherren ab, ob wegen der möglichen Kartellbildung einige Ausschreibungen wiederholt werden. Allerdings wurden mehrere Projekte längst begonnen.

Potenzieller Exportschlager

Der japanischen Regierung kommt dieser Skandal ungelegen. Denn Premierminister Shinzo Abe sieht die Magnetbahn als potenziellen Exportschlager und macht bei vielen Auslandsreisen aktiv Werbung für den Bau von Strecken außerhalb von Japan. Viele Politiker, die Japan besuchen, dürfen eine Probefahrt mit der Magnetbahn machen.

Die Finanzzeitung „Nikkei“ rätselte über das Motiv der vier Bauriesen, das Risiko einer Kartellbildung einzugehen. Schließlich verdienten die Unternehmen derzeit so gut wie nie. Offenbar fürchteten die Konzerne, dass es nach Olympia 2020 außer der Magnetbahn keine großen Bauprojekte mehr geben könnte, mutmaßte das Blatt.

Foto: Maglev (flickr/Maryland GovPics CC BY 2.0)