Tokio (JAPANMARKT) – Bei Japans größtem Börsengang in diesem Jahr waren die Anteile der Logistikgruppe SG Holdings stark gefragt. Was steckt dahinter?

Zweitgrößter Paketdienst

SG Holdings aus Kyoto ist die Muttergesellschaft von Sagawa Express. Das Unternehmen zählt neben Yamato Holdings und Nippon Express zu den großen Paketdiensten in Japan. Dadurch ist der Name Sagawa auch vielen Privatanlegern vertraut. Die Geschäfte boomen, weil das Paketaufkommen aus dem Onlinehandel stetig wächst. Allerdings sind die Margen auf dem einheimischen Markt relativ klein.

Aber anders als Yamato expandiert SG seit einiger Zeit ins Ausland. Vor einem Jahr wurde der Kauf des vietnamesischen Logistikunternehmens Phat Loc Express abgeschlossen. Zwei Monate zuvor begann SG damit, in Zusammenarbeit mit Hitachi Textilien aus japanischen Fabriken in China direkt an Einzelhändler in Japan zu liefern. SG hält 29 Prozent der Anteile von Hitachi Transport System.

Mangel an Arbeitskräften

Dieses Auslandswachstum scheint viele Anleger überzeugt zu haben. Die Erstnotierung an der Tokyoter Börse erfolgte bei 1.900 Yen. Das war 17 Prozent höher als der Ausgabepreis von 1.620 Yen. Nach fünf Handelstagen stand die Aktie bei 2.103 Yen. Das bedeutete einen Gewinn von fast 30 Prozent für die Erstzeichner. Nach einer Kalkulation von Bloomberg nahm SG Holdings bei der Börsennotierung bis zu 127,6 Milliarden Yen (knapp eine Milliarde Euro) ein.

Viele Analysten hatten eine solche starke Nachfrage nach den Anteilen erwartet. Allerdings warnten sie vor einem speziellen Japanrisiko für Unternehmen dieser Branche. Denn Paketdienste und andere Logistiker finden seit einiger Zeit nur noch schwer Fahrer für ihre Lieferwagen. Das zwingt die Unternehmen dazu, höhere Löhne zu zahlen und die Preise für ihre Dienstleistungen anzuheben.

Foto: Lieferdienst Sagawa (Wikipedia CC BY-SA 3.0)