Tokio (JAPANMARKT) – Der Superschnellzug Shinkansen ist der Stolz der japanischen Nation. Jetzt kam es zum ersten ernsthaften Zwischenfall in 50 Jahren.

Angebrochener Stahlträger

Im vierten Waggon eines Shinkansen von Hakata nach Tokyo wurde am 11. Dezember ein Riss in einem Stahlträger des Fahrgestells entdeckt. Zuvor hatte das Personal ungewöhnliche Geräusche und den Geruch von heißem Öl festgestellt.

Ein Ausschuss des Verkehrsministeriums, das Japan Transport Safety Board, stufte den Vorfall nach einer Untersuchung als „ernsthaft“ ein. Eine solche Bewertung hat es seit Betriebsbeginn für den Shinkansen im Jahr 1964 nicht gegeben.

Möglichkeit einer Entgleisung

Nach japanischen Medienberichten stand der Stahlträger kurz vor dem Zerbrechen. Laut der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ war der Riss 14 Zentimeter lang. Es fehlten nur drei Zentimeter bis zum Bruch.

Befragte Eisenbahnexperten deuteten die Möglichkeit einer Entgleisung an. Die Achsen seien in das stählerne Fahrgestell montiert, so dass bei einem Bruch der Verbindung die Räder von den Schienen hätten rutschen können.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur „Kyodo“ war der Riss in dem Stahlträger sogar 16 Zentimeter lang. Außerdem seien 14 Zentimeter lange Risse auf beiden Seiten des Fahrgestellrahmens gefunden worden.

Untersuchung aller Fahrgestelle

Die zuständige Eisenbahngesellschaft JR West kündigte laut den Medienberichten an, alle Fahrwerke auf ähnliche Risse zu untersuchen. Außerdem erwäge man den Einbau von Sensoren, um Materialveränderungen künftig automatisch zu erkennen.

Die Möglichkeit eines schweren Unfalls dürfte einen heilsamen Schock bei den japanischen Shinkansenbetreibern auslösen. Nach über 50 Jahren unfallfreien Fahrten hat man sich womöglich zu sehr in Sicherheit gewogen.

Foto: Shinkansen-Zug fährt in Bahnhof ein (flickr/Toshiyuki IMAI CC BY-SA 2.0)